Sparer müssen sich weiter gedulden

Die Europäische Zentralbank lässt beim Leitzins alles beim Alten. Allerdings tasten sich die Notenbanker an einen Ausstieg aus der Geldflut heran.


Die Kursrally des Euro macht EZB-Chef Mario Draghi zunehmend Sorge. „Die jüngsten Wechselkursschwankungen stellen eine Quelle der Unsicherheit dar“, sagte der Italiener am Donnerstag in Frankfurt. Die deutlich stärkere Konjunktur hat zuletzt Spekulationen angefacht, die EZB könnte womöglich schon 2018 die Zinswende einläuten. Draghi machte aber keine Abstriche am ultra-lockeren Kurs der Notenbank. Denn die Inflation, die seit Jahren unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent liegt, sei weiterhin zu gering. Eine erste Zinserhöhung in diesem Jahr schloss Draghi deshalb praktisch aus. Dafür sehe er nur „sehr wenige Chancen“.

Der Euro stieg am Donnerstag erstmals seit drei Jahren über die Marke von 1,25 Dollar. Damit werden Exporte europäischer Firmen in Übersee teurer. Draghi rede die Gemeinschaftswährung nicht nach unten, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. „Die EZB scheint noch keinen Handlungsbedarf zu sehen.“ Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ergänzte: „Eine verbale Intervention sieht anders aus.“


Der Euro hat seit der Zinssitzung Mitte Dezember mehr als sechs Prozent zugelegt. Die Aufwertung dämpft tendenziell die Inflation. Im Dezember lag sie nur bei 1,4 Prozent.

Die Europäische Zentralbank hatte zuletzt angedeutet, bereits früh in diesem Jahr ihren Ausblick auf den Prüfstand zu stellen. Die Diskussionen darüber hätten aber noch nicht richtig begonnen, schränkte Draghi jetzt ein. Die Lage werde im März erneut bewertet. Dann liegen der EZB auch neue Schätzungen zum Wirtschaftswachstum und zur Inflation vor.

Die Notenbank bekräftigte, die Schlüsselzinsen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der sogenannte Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken.

Außerdem erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken momentan Wertpapiere im Volumen von 30 Milliarden Euro pro Monat, um die Inflation anzuheizen. Sie wollen die vor allem in Deutschland umstrittenen Käufe noch bis mindestens September fortsetzen. Wie es danach weitergehe, sei offen, so Draghi. Er verwies allerdings auf eine frühere Äußerung, das Programm werde nicht abrupt enden. Einige EZB-Ratsmitglieder wie Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson plädieren dafür, in einem Schritt auf null zu gehen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann fordert ein klares Enddatum für die Anleihenkäufe.


Ökonomen in Deutschland kritisierten abermals die EZB: „Die Kluft zwischen der guten wirtschaftlichen Lage der Euro-Zone und der immer noch sehr vorsichtigen Tonlage der EZB wächst", sagte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. Bei den Anleihenkäufen verlagerten sich die Gewichte hin zu den EU-Mitgliedstaaten mit hohen Schulden. Damit stiegen die Risiken für die EZB.

Für Deutschland ist die Nullzins-Politik nach Auffassung vieler Volkswirte unangemessen. Denn die hiesige Wirtschaft steuert auf ihr neuntes Wachstumsjahr in Folge zu. Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts legte im Januar überraschend zu, womit die im November aufgestellte Bestmarke erneut erreicht wurde. Kritiker warnen wegen des vielen billigen Geldes vor Preisblasen, etwa auf dem Aktien- oder Immobilienmarkt.