EZB vor schwierigem Juni-Entscheid zu Krisenprogramm: Kreise

Carolynn Look
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank erwarten bei der nächsten geldpolitischen Sitzung im Juni informierten Kreisen zufolge eine schwierige Diskussion zu der Frage, ob sie mit der Verlangsamung ihres Notkaufprogramms für Anleihen beginnen sollten.

Die Sitzung des EZB-Rates in dieser Woche, die zu keiner Änderung der Politik führte, sei ruhig verlaufen. Die Gespräche am 10. Juni dürften indessen viel komplizierter sein und könnten hitzig werden, hieß es von mit den Beratungen vertrauten Personen.

Einige Mitglieder sind den Angaben zufolge der Meinung, dass das Pandemie-Notkaufprogramm ab dem dritten Quartal zurückgefahren werden sollte, da sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich kräftig von der Pandemie erholen wird. Das würde den Gesamtumfang der Anleihekäufe innerhalb der derzeit geplanten 1,85 Billionen Euro halten.

Andere wollen einen vorsichtigeren Ansatz, der die EZB nicht dazu verpflichtet, innerhalb dieses Rahmens zu bleiben, und ihr mehr Freiheit geben würde, auf jegliche weitere wirtschaftliche Abschwächung zu reagieren.

Ein EZB-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Italienische Anleihen gaben ihre Gewinne nach dem Bloomberg-Bericht wieder ab und trieben die 10-jährigen Renditen um einen Basispunkt auf ein Tageshoch von 0,77%.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte am Donnerstag nach der jüngsten geldpolitischen Entscheidung, dass die Angelegenheit nicht formell diskutiert worden sei, weil dies “verfrüht” wäre.

Die Zentralbank hat bisher fast 1 Billion Euro im Rahmen des Pandemieprogramms ausgegeben. Sie beschloss im März, das Tempo der Käufe “signifikant” zu erhöhen, um die Region vor weltweit steigenden Kreditkosten zu schützen, die von der schnelleren Erholung in den USA überschwappen.

Seitdem haben die Nettokäufe durchschnittlich 17 Milliarden Euro pro Woche betragen, eine Zahl, die das tatsächliche Tempo aufgrund der Osterfeiertage in diesem Monat wahrscheinlich unterzeichnet, verglichen mit etwa 14 Milliarden Euro pro Woche zu Beginn des Jahres.

Einige Ratsmitglieder hätten bei der März-Sitzung für ein noch schnelleres Tempo der Käufe plädiert, sagten die Personen. Am Donnerstag teilte die EZB mit, dass sie die Käufe bis zum Ende dieses Quartals auf dem aktuellen Niveau halten werde.

Sollte sie sich dafür entscheiden, dieses Tempo auch für das nächste Quartal beizubehalten, werden die Entscheidungsträger später in diesem Jahr vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Sie können entweder die Käufe kräftig reduzieren, um sicherzustellen, dass das Programm innerhalb des aktuellen Rahmens bleibt, und damit Marktvolatilität riskieren, oder sie können sich dafür entscheiden, das Programm wieder zu verlängern und auszuweiten.

Das macht den Juni zu einer Schlüsselsitzung, und die aufkommenden Anzeichen von Spannungen drohen, langjährige Meinungsverschiedenheiten innerhalb des EZB-Rates darüber wieder aufleben zu lassen, wie viel geldpolitische Unterstützung für die 19 Nationen umfassende Eurozone angemessen ist.

In dieser Krise haben sich wirtschaftlich stärkere Länder wie Deutschland und Frankreich auf die Widerstandsfähigkeit des verarbeitenden Sektors verlassen, um den Pandemieschock abzufedern. Für Länder, die mehr auf Tourismus und Dienstleistungen angewiesen sind, ist noch nicht klar, inwieweit die Aktivität in diesem Jahr wieder anziehen wird.

Der niederländische Notenbankgouverneur Klaas Knot argumentierte kürzlich, dass die EZB im dritten Quartal mit einem schrittweisen Ausstieg aus den Notkäufen beginnen könnte, wenn sich die aktuellen Erwartungen für den Aufschwung bestätigen.

Auf diesen Vorschlag in ihrer Pressekonferenz am Donnerstag angesprochen, sagte Lagarde, dass die EZB das Tempo der Käufe erst im Juni festlegen wird, wenn ihr aktualisierte Wirtschaftsprognosen vorliegen.

Überschrift des Artikels im Original:ECB Officials Expect Difficult June Decision on Crisis Program

(Ergänzt um Marktreaktion, Hintergrund ab fünftem Absatz)

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