EZB-Ratsmitglied Schnabel: Keine langfristige Inflation in Deutschland zu erwarten

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EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel (AFP/Daniel ROLAND)

Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Inflationsraten in Deutschland hat die Wirtschaftswissenschaftlerin Isabel Schnabel, Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), Entwarnung gegeben. Es sei zu erwarten, dass "sich die Inflation im Euroraum, und auch in Deutschland, voraussichtlich im kommenden Jahr wieder spürbar abschwächen" werde, sagte Schnabel am Montag beim Baden-Badener Unternehmergespräch. Drei zentrale Inflationstrends behalte die EZB jedoch im Blick.

Ein erster Trend seien die Lieferengpässe bei Vorprodukten in der Industrie. Die Erzeugerpreise seien in Deutschland zuletzt so stark gestiegen wie seit 1975 nicht mehr, die weltweiten Lieferengpässe bei Halbleitern führten außerdem zu Produktionsausfällen. Auch die Impfquoten in vielen aufstrebenden Wirtschaften seien so niedrig, dass sie die Stabilität von Lieferketten bedrohten, warnte Schnabel laut Redetext.

Je länger diese Lieferprobleme anhielten, desto wahrscheinlicher werde es, dass Unternehmen die Kosten an ihre Kunden weitergeben und die Verbraucherpreise so weiter steigen werden. Viele Firmen hätten bereits zu diesem Mittel gegriffen und weitere Preiserhöhungen seien zu erwarten, sagte Schnabel weiter.

Ein weiterer Grund für eine möglicherweise unterschätzte Inflationsentwicklung könnte laut der Ökonomin ein weitreichender Strukturwandel in der Unternehmenslandschaft durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sein. Dieser sei möglicherweise noch nicht ausreichend in die EZB-Modelle eingeflossen. Auch die CO2-Bepreisung und steigende Energiepreise wirkten sich auf Erzeugerpreise und somit mittelbar auch auf Verbraucherpreise aus.

Zudem werde die EZB auch die "Aufbruchstimmung" an den Finanzmärkten im Blick behalten, erläuterte Schnabel. Die Inflationserwartungen lägen zwar noch unter zwei Prozent, seien dem EZB-Inflationsziel jedoch so nahe wie "seit Jahren nicht mehr". Die erhöhten Preiserwartungen könnten sich auch auf die künftige Lohnentwicklung auswirken. Sollte das Inflationsziel von zwei Prozent unerwartet früh erreicht werden, werde die EZB "zügig und entschlossen handeln", kündigte Schnabel an.

"Mir war es heute, in einem Umfeld steigender Inflationsraten, insbesondere in Deutschland, ein Anliegen, den Menschen die Sorge zu nehmen, dass die Inflation dauerhaft zu hoch bleiben wird oder sogar unkontrolliert in die Höhe schießt", sagte Schnabel. "Aller Voraussicht nach wird sich die Inflation im kommenden Jahr wieder spürbar abschwächen".

fho/ilo

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