EZB-Rat Knot drängt gegen Inflation auf Nachfragedämpfung

(Bloomberg) -- Zur Vermeidung andauernder Inflation auf Rekordniveau muss die Europäische Zentralbank die Zinsen nach Ansicht von Ratsmitglied Klaas Knot auf ein Niveau anheben, das die Konjunktur dämpft.

“Unsere Antwort muss entschlossen sein, was bedeutet, dass die Geldpolitik restriktive Maßnahmen ergreifen muss, um die Nachfrage zu dämpfen”, sagte der Chef der niederländischen Notenbank am Freitag in einer Rede in Frankfurt. “Wir müssen uns mit der anhaltend hohen Inflation und dem wachsenden Risiko auseinandersetzen, dass sie sich in den Köpfen der Menschen verfestigt, was die Eindämmung der Inflation verteuern würde.”

Nach 200 Basispunkten an Zinserhöhungen in kurzer Folge seien die nächsten Schritte der EZB “von Unsicherheit umgeben” und würden von Sitzung zu Sitzung festgelegt, sagte Knot. Der Kampf gegen die Inflation gehe weiter. Das Tempo der Zinsanhebungen dürfte jedoch abnehmen.

Die Inflation im Euroraum lag zuletzt bei 10,6% und es gibt wenig Anzeichen, dass sie ihr Maximalniveau erreicht hat. Nach zwei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen um 75 Basispunkte neigt der Konsens im EZB-Rat informierten Kreisen zufolge dazu, die Leitzinsen bei der nächsten geldpolitischen Entscheidung am 15. Dezember erst einmal um 50 Basispunkte heraufzusetzen - sofern die Inflationszahlen für November nicht nach oben überraschen.

Auf längere Sicht befürwortet indessen eine wachsende Zahl von EZB-Räten eine Anhebung der Zinsen über das sogenannte neutrale Niveau hinaus, das die Wirtschaft weder ankurbelt noch bremst und bei etwa 2% liegen dürfte. Laut Knot wird dies bei der Sitzung im Dezember „weitgehend“ erreicht werden.

„Neutrales Territorium ist wie die Halbzeit eines Fußballspiels, wenn Trainer alle ihre Spieler um eine weiße Tafel versammeln und den Spielplan für die zweite Halbzeit zeichnen“, sagte Knot . „Die Mannschaft, die zurück auf den Platz kommt, spielt dann vielleicht anders.“

Im Bezug auf die geplante Schrumpfung der EZB-Bilanz erklärte Knot, Modelle der niederländischen Zentralbank legten nahe, dass eine früherer Start der so genannten quantitativen Straffung sowohl den Inflationsgipfel senken würde als auch das Niveau, bis zu dem die EZB die Zinsen wird anheben müssen.

Knot sprach sich für eine “frühen, aber teilweisen Stopp der Reinvestitionen” aus, um “das Wasser zu testen, bevor das endgültige Tempo des Roll-Offs kalibriert wird.” Der Prozess sollte zudem “vorhersehbar sein, wie wenn man Farbe beim Trocknen zusieht”.

Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte am Freitag, die Notenbankbilanz sollte „auf eine maßvolle und vorhersehbare Weise“ reduziert werden. Bundesbankchef Joachim Nagel sagte, die quantitative Straffung sollte Anfang 2023 beginnen. Er drängte auf „weitere entscheidende Schritte“, um die Inflation zu bekämpfen, und sagte, ein wirtschaftlicher Abschwung sollte die Beamten nicht vom Handeln abhalten.

Überschrift des Artikels im Original:ECB’s Knot Urges ‘Resolute’ Action on Inflation to Curb Demand

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