EZB lässt Leitzins auf Rekordtief – doch das Anleihekaufprogramm könnte im September enden

Die Europäische Zentralbank lässt beim Leitzins alles beim Alten. Allerdings tasten sich die Notenbanker an einen Ausstieg aus der Geldflut heran.


Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt fast alles beim Alten: Die Leitzinsen werden nicht angetastet. Das ist das Ergebnis der heutigen Sitzung des Rats der Notenbank. In einer Mitteilung bekräftigt die EZB, die Leitzinsen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der sogenannte Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken.

Eine wichtige Änderung in der EZB-Aussendung dürfte die Märkte allerdings aufhorchen lassen. Aktuell erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken Wertpapiere im Volumen von 30 Milliarden Euro pro Monat, um die Inflation anzuheizen. Die vor allem in Deutschland umstrittenen Käufe sollen noch bis mindestens September fortgesetzt werden.


Erstmals verzichten die Währungshüter jetzt aber auf die zuletzt übliche Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Das deutet auf einen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der EZB hin.

Bisher hieß es im EZB-Ausblick, im Notfall könne das Programm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer noch aufgestockt werden. Dieser Passus wurde nun ersatzlos gestrichen.

Ökonomen argumentieren bereits seit längerem, die EZB benötige die Option nicht mehr, da der konjunkturelle Aufschwung im Euro-Raum inzwischen stark sei. Die EZB halbierte zuletzt ihr monatliches Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro. Die Transaktionen sollen noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden, wie die EZB bekräftigte. Ein konkretes Enddatum wurde allerdings erneut nicht genannt.

An der Verknüpfung der Wertpapierkäufe mit der Inflationsentwicklung hielten die Euro-Wächter fest. Die EZB bekräftigte außerdem, dass ihre Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau von null Prozent bleiben werden.


Die EZB hatte am Vormittag in Frankfurt über weitere Trippel-Schritte in Richtung Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik beraten. Die starke Konjunkturerholung in der Euro-Zone spricht für eine weniger expansive Ausrichtung. Allerdings entfernte sich die Inflation im Februar mit 1,2 Prozent wieder vom EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Außerdem dürften Sorgen vor einem Handelskrieg mit den USA und die schwierige Regierungsbildung in Italien die Ratsmitglieder vorsichtig gestimmt haben. Manche Ökonomen hatten bereits erwartet, dass die Währungshüter die Option aus ihrem Ausblick streichen könnten, die billionenschweren Anleihenkäufe notfalls noch auszuweiten.

Einzelheiten der Entscheidung will EZB-Präsident Mario Draghi ab 14.30 Uhr auf einer Pressekonferenz erläutern. Dabei dürfte es auch darum gehen, wann die EZB ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe einstellen wird, mit denen für mehr Inflation gesorgt werden soll.

Die Transaktionen werden Ende September ein Volumen von 2,55 Billionen Euro erreicht haben. Nach Einschätzung vieler Ökonomen muss die EZB den Finanzmärkten spätestens im Sommer Hinweise geben, wie es weitergehen soll.

Handelblatt.com berichtet in einem Liveblog über die Pressekonferenz.