EZB befragt Banken nach Archegos zu Hedgefond-Risiko: Kreise

Steven Arons und Nicholas Comfort
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Die Europäische Zentralbank erfragt bei den von ihr beaufsichtigten Banken derzeit genauere Daten zu ihrem Geschäft mit Hedgefonds. Die Folgen des Zusammenbruchs von Archegos Capital Management für die besonders exponierten Banken haben bei den Frankfurter Aufsehern neuen Datenappetit geweckt, heißt es bei mit der Situation vertrauten Personen.

Das Interesse der Aufsicht richtet sich dabei naturgemäß auf Banken mit einer signifikanten Prime Brokerage wie etwa Deutsche Bank AG oder BNP Paribas SA, sagten die Personen. Nach außerordentlichen Ereignissen für die Branche wie dem Fall Archegos seien solche Nachforschungen üblich, hieß es weiter.

Die EZB wollte sich zu dem Thema ebenso wenig äußern wie die genannten Banken.

Der Kollaps von Archegos, formell ein Family Office, das praktisch aber wie ein Hedgefonds agierte und vor allem auf hoch gehebelte Aktienwetten setzte, könnte alles in allem 10 Milliarden Dollar (8,4 Milliarden Euro) Verluste im Bankensektor auslösen, haben Analysten von JPMorgan Chase & Co. errechnet. Alleine die Schweizer Credit Suisse Group AG erwartet einen Abgang von 4,4 Milliarden Franken (4 Milliarden Euro) aus diesem Engagement im ersten Quartal. Auch die japanische Nomura Holdings Inc. musste bluten.

Im Gegensatz dazu scheinen Banken aus der Eurozone im wesentlichen ohne größere Verluste davongekommen zu sein. Die Deutsche Bank, die auch ein milliardenschweres Exposure hatte, konnte es in letzter Sekunde noch ohne namhaften Verlust losschlagen, wie Bloomberg bereits berichtete.

Die Wetten von Archegos wurden über die Prime Brokerages einer Reihe von Investmentbanken platziert. Auf diesem Weg borgte sich Archegos letztlich massiv Fremdkapital, um seine Gewinne damit zu vervielfachen. Als die Wetten begannen schief zu laufen und die Banken Nachschussforderungen stellten, konnte das Family Office diese nicht mehr bedienen. Die Banken wiederum waren gezwungen, die von Archegos gegebenen Sicherheiten in einen fallenden Markt hinein abzuverkaufen.

Prime Broker sind auf Bankdienstleistungen für Hedgefonds spezialisiert, denen sie etwa Geld oder Wertpapiere leihen - ein lukratives aber riskantes Geschäft, in dem nicht alle Institute vertreten sind. Banken wie Barclays Plc, BNP Paribas, Credit Suisse, Societe Generale SA oder UBS Group AG haben in dem Bereich 2019 Erträge von zusammen 4 Milliarden Dollar erwirtschaftet, hat JPMorgan errechnet.

Das EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte letzte Woche bereits von “erheblichen Regulierungslücken” im Zusammenhang mit Bankkrediten an Hedgefonds gesprochen.

“Man wird sich genau anschauen müssen, warum die Banken dem Fonds eine so große Verschuldung ermöglichten”, sagte Schnabel in einem Interview mit dem Spiegel. das sei “ein Warnsignal, dass hier erhebliche systemische Risiken liegen, die besser reguliert werden müssen.”

Überschrift des Artikels im Original:ECB Seeks Details on Banks’ Hedge Fund Risks After Archegos

(Neu: Bemerkungen von EZB-Direktorin Schnabel zum Thema)

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