EZB erhöht Inflationsziel auf zwei Prozent — und will künftig ein „moderates“ Überschreiten tolerieren

·Lesedauer: 2 Min.
Christine LAGARDE, Praesidentin der Europaeischen Zentralbank EZB, halbe Figur, Halbfigur, vor der Pressekonferenz in Frankfurt am Main am 12.03.2020.
Christine LAGARDE, Praesidentin der Europaeischen Zentralbank EZB, halbe Figur, Halbfigur, vor der Pressekonferenz in Frankfurt am Main am 12.03.2020.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein neues Inflationsziel festgelegt und damit ihre Strategie geändert. Sie strebt künftig für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von glatt zwei Prozent an, wie die Notenbank um Chefin Christine Lagarde am Donnerstag mitteilte. Bisher hatte das Ziel „unter, aber nahe zwei Prozent“ gelautet – etwas niedriger also als die nun beschlossene Anpassung.

Zugleich soll ein „moderates“ Überschreiten dieses neuen Zielwerts in Zukunft toleriert werden. Die Notenbank muss mit so einem „symmetrischen“ Inflationsziel nicht mehr direkt reagieren, falls sich die Teuerungsraten zeitweilig leicht über oder unter dem prozentualen Ziel bewegen. In ihrem Bestreben, mittelfristig Preisstabilität im Währungsraum der 19 Staaten sicherzustellen, verschafft sich die EZB damit mehr Spielraum, wie der Nachrichtensender „Ntv“ berichtet. Unklar bleibe bisher, wie lange die EZB ein Abweichen vom Zielwert tolerieren werde.

Die US-Notenbank Fed verfolge bereits seit dem vergangenen Jahr eine ähnliche Strategie, so „Ntv“´weiter. Durch das sogenannte „Average Inflation Targeting“ könne sie die Zinsen so lange nahe null halten, bis die Inflation für einige Zeit das Zwei-Prozent-Ziel übertreffe. In der EZB habe es aber zunächst Vorbehalte gegen diese Strategie gegeben.

Inflationsziel seit 2013 verfehlt

Das veränderte Inflationsziel ist ein Kernergebnis der Überprüfung der geldpolitischen Strategie, welche die seit 2019 amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde angestoßen hatte. In den vergangenen 18 Monaten ging es dabei um die Formulierung von Preisstabilität, das geldpolitische Instrumentarium und die Kommunikation der Notenbank. Bereits im vergangenen Herbst habe sich Lagarde im Zuge dessen für ein angepasstes Inflationsziel ausgesprochen, berichtet „Ntv“. Die EZB solle ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig sei und von der Öffentlichkeit leicht verstanden werden könne, habe die Präsidentin der Notenbank damals auf einer Tagung gesagt.

Seit 2013 hatte die EZB ihr Ziel oft deutlich verfehlt – und das, obwohl sie seit Jahren gewaltige Summen billiges Geld in die Märkte pumpt und die Zinsen auf einem Rekordtief hält. Zuletzt jedoch hatte die Inflationsraten in der Eurozone den angestrebten Zielbereich erreicht. Im Mai lag die Teuerung bei glatt zwei Prozent, im Juni bei 1,9 Prozent.

Ökonomen würden im Verlaufe des Jahres mit einer deutlich höheren Inflationsrate rechnen – es sei aber noch nicht ausgemacht, wie lange dieser Anstieg vorhalten werde. Lagarde geht dem Nachrichtensender zufolge davon aus, dass der jüngste Anstieg nur vorübergehend ist. Die EZB erwarte für das Gesamtjahr 2021 zwar eine Teuerungsrate von 1,9 Prozent, 2022 aber bereits wieder eine Teuerungsrate von 1,5 Prozent. Zuletzt hatte die Notenbank ihre geldpolitische Strategie im Jahr 2003 überarbeitet.

sb/dpa

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.