EZB-Dividendenempfehlung von kleiner Bank in Finnland missachtet

Kati Pohjanpalo
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Eine kleine finnische Bank missachtet unverhohlen die europäischen Richtlinien für Dividenden, weil es ihrer Einschätzung nach langfristig riskanter wäre, die eigenen Aktionäre zu ignorieren.

Alandsbanken Abp gab am Freitag den Beschluss bekannt, den Empfehlungen der finnischen Finanzaufsichtsbehörde und im weiteren Sinne der Europäischen Zentralbank nicht zu folgen. Grund dafür sei, dass die Gewinne im Jahr 2019 “die höchsten in der 100-jährigen Geschichte der Bank waren”.

Die EZB hatte die Banken der Region aufgefordert, sich angesichts der anhaltenden Pandemie und der damit verbundenen Wirtschaftsrisiken mit Dividenden und Aktienrückkäufen zurückzuhalten. Doch Alandsbanken kritisierte, dass diese regulatorische Empfehlung keinen Unterschied mache “zwischen der stärksten und der schwächsten Bank in Europa”.

Das Board sei der Ansicht, “dass die langfristigen Risiken für die Bank möglicherweise größer sind, wenn wir uns - basierend auf unserem aktuellen Ertrags- und Risikoniveau - dafür entscheiden, der aufsichtsrechtlichen Empfehlung zu folgen, statt anzufangen, den anderen wichtigen Stakeholder-Gruppen der Bank Rechnung zu tragen”, hieß es in der Mitteilung.

Alandsbanken schlug für 2019 eine Gesamtdividende von 1 Euro pro Aktie vor. Dies entspricht 59% des Ergebnisses je Aktie und ist fast das Vierfache der EZB-Richtlinie für Ausschüttungen.

Finnlands Aufseher enttäuscht

Der Chef der finnischen Bankenaufsicht bedauerte die Entscheidung in einem Interview mit Bloomberg. “Wir erwarten, dass die Banken der Empfehlung folgen, können sie aber nicht rechtlich bindend machen”, sagte Jyri Helenius, der bei der Finanzregulierungsbehörde in Helsinki den Bankenbereich leitet. “Es ist schade, dass eine finnische Bank diesbezüglich von der gemeinsamen europäischen Linie abweicht.”

Die Anleger begrüßten derweil den Schritt. Die Klasse-A-Aktie der Bank, bereinigt um den heutigen Ex-Dividenden-Tag, legten am Montag um bis zu 26% zu und wurde um 11:06 Uhr MEZ in Helsinki 15,5% höher bei 23,80 Euro gehandelt.

EZB hebt Bankdividendenverbot auf, setzt 15% Obergrenze

Im vergangenen Monat hatte die EZB ihr De-facto-Verbot von Dividenden aufgehoben, die Banken jedoch dazu angehalten, die Ausschüttungen an die Anteilseigner für 2019 und 2020 auf weniger als 15% des Gewinns oder 0,2% ihrer Kernkapitalquote zu begrenzen - je nachdem, welcher Wert niedriger ist. Damit zeigte sich die EZB strenger als andere Aufseher wie beispielsweise die Bank of England.

Die größten Banken der Eurozone werden direkt von der EZB überwacht, kleine Banken fallen unter die Zuständigkeit der nationalen Regulierungsbehörden. Einigen kleineren Banken im Staatenbund wurden Dividendenzahlungen erlaubt, und die deutsche Finanzaufsicht BaFin erklärte, sie werde Auszahlungen zulassen, wenn die Banken über ausreichend Finanzkraft verfügen.

Überschrift des Artikels im Original:ECB’s Dividend Recommendation Flouted by Small Bank in Finland

(Ergänzt um Kursentwicklung im siebten Absatz)

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