EZB beauftragt Gremien mit Entwurf von neuem Krisentool

(Bloomberg) -- Die Europäische Zentralbank hat die Gremien des Eurosystems damit beauftragt, ein neues Instrument zur Bekämpfung ungerechtfertigter Ausbrüche der Renditen im Euroraum zu schaffen, nachdem die Märkte im Vorfeld erster Zinserhöhungen seit über einem Jahrzehnt unter Druck geraten waren.

Nach einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch, die einberufen wurde, nachdem die Renditen italienischer Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit der europäischen Schuldenkrise gestiegen waren, erklärte der EZB-Rat außerdem, dass er bei der Wiederanlage fälliger Tilgungen in seinem Pandemieportfolio flexibel vorgehen werde, um das Funktionieren des geldpolitischen Transmissionsmechanismus zu gewährleisten.

“Die Pandemie hat dauerhafte Schwachstellen in der Wirtschaft des Euroraums hinterlassen, die in der Tat zu einer ungleichmäßigen Übertragung der Normalisierung unserer Geldpolitik auf die einzelnen Länder beitragen”, so die EZB in einer Erklärung.

Italienische Anleihen grenzten den temporär stärksten Anstieg seit mehr als zwei Jahren ein: Die Rendite 10-jähriger Bonds lag am Nachmittag im Tagesvergleich nur noch 32 Basispunkte niedriger bei 3,86%. In Erwartung der EZB-Erklärung war sie zuvor bis auf 3,76% gesunken. Der Euro gab die meisten Gewinne gegenüber dem Dollar wieder ab und notierte noch 0,1% höher bei 1,04291.

Die EZB hatte die Märkte am Mittwoch überrascht mit der außerplanmäßigen Sitzung zur Diskussion der Marktsituation, welche sich verschärft hatte, seit sie letzte Woche ihre Pläne zur Zinsanhebung bekannt gegeben hatte.

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Anleger waren bislang nicht davon überzeugt, dass die EZB die Zinsen erhöhen und gleichzeitig die Anleiherenditen der schwächsten Mitglieder der Region in Schach halten kann. Die Möglichkeit eines 75-Basispunkt-Schritts der Federal Reserve am heutigen Mittwoch hatte für zusätzliche Nervosität gesorgt.

“Ich würde die heutige Erklärung als das absolute Minimum dessen sehen, was zu erwarten war, aber auch als das realistischste Ergebnis”, sagte Piet Christiansen, Chefstratege der Danske Bank. “Mit der Beauftragung der Ausschüsse hat die EZB signalisiert, dass sie sich voll und ganz dafür einsetzt, das Funktionieren der geldpolitischen Transmission zu gewährleisten. Allerdings hat sie sich damit auch etwas Zeit verschafft. Wir werden von den Ausschüssen wahrscheinlich erst auf der Sitzung im Juli oder September etwas hören.”

Ein neues Instrument zur Bewältigung des Marktstresses würde ein neues Kapitel in der problematischen Beziehung der EZB zu den Anleihemärkten aufschlagen, die entstanden ist, als das schuldengeplagte Griechenland vor mehr als einem Jahrzehnt erstmals in Turbulenzen geriet.

Diese Krise wurde schließlich durch das vom damaligen EZB-Präsident Mario Draghi ins Leben gerufene OMT-Programm eingedämmt, das Teil seines Versprechens war, zu tun “whatever it takes”, um den Euro zu erhalten. Der Marktstress zu Beginn der Pandemie war mit einem weiteren Notfallprogramm zum Ankauf von Anleihen angegangen.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, die für die Marktoperationen der EZB zuständig ist, hatte am Dienstagabend bei einer Veranstaltung gesagt, dass die Reaktion der EZB auf eine Panik an den Anleihemärkten von der konkreten Situation abhängen würde. Sie versicherte jedoch, dass die EZB keine Veränderungen der Finanzierungsbedingungen dulden werde, die “über die fundamentalen Faktoren hinausgehen und die geldpolitische Transmission gefährden”, und sagte, das Bekenntnis zum Euro habe “keine Grenzen”.

Überschrift des Artikels im Original:

ECB Is Discussing Crisis Strategy as Well as PEPP Reinvestments

(Neu: Hintergrund ab 5. Absatz)

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