EZB-Direktor Coeure: 'Lockere Geldpolitik verursacht keine Währungskriege'

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein führendes Mitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Kritik abgewiesen, wonach die extrem lockere Geldpolitik im Euroraum Nicht-Euro-Ländern schadet. Es sei alles andere als klar, ob das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm den Kurs des Euro gedrückt habe, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Dienstag in Frankfurt. "Die Ansicht, dass Wertpapierkäufe in großen Industrieländern schädliche Währungskriege verursachen, führt in die Irre."

Unter anderem US-Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit mehrfach kritisiert, dass die Geldpolitik der EZB den Euro künstlich schwäche und dadurch der Exportwirtschaft andernorts - etwa in den USA - schade. Denn eine schwache Währung verteuert Produkte aus dem Ausland und macht diese dadurch weniger wettbewerbsfähig. Umgekehrt werden heimische Produkte auf dem Weltmarkt erschwinglicher.

Die Erholung im Euroraum sei vielmehr auf eine starke Binnennachfrage und steigende Beschäftigung zurückzuführen, sagte Coeure. Die Wertpapierkäufe in Verbindung mit dem negativen Einlagensatz beeinflussen demnach den Wechselkurs des Euro nicht grundsätzlich anders als konventionelle geldpolitische Instrumente. Der negative Einlagensatz wirkt wie eine Art Gebühr, die Banken auf bei der EZB geparktes Geld zahlen müssen. Währungsabwertungen seien ein Nebeneffekt der Geldpolitik und weder deren hauptsächlicher Wirkungskanal noch deren Ziel, sagte Coeure.