EZB dürfte wie die Fed kein geldpolitisches Feuerwerk abbrennen

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(Bloomberg) -- Die US-Wirtschaft erholt sich schneller von der Pandemie als der Euroraum und verzeichnet zudem weitaus höhere Inflation. Dennoch haben die Geldpolitiker der Fed signalisiert, dass nächste Woche keine Verlangsamung von Anleihekäufen anstehen. Dahinter steht die Unsicherheit, ob die Konjunkturerholung gefestigt genug ist, um ohne geldpolitische Hilfe zu tragen.

Für die bereits am Donnerstag über ihren weiteren Kurs entscheidende EZB ist das ein hilfreicher Leitfaden. Diesseits des Atlantiks hinkt die Konjunktur hinter den USA hinterherk und könnte gut auf Turbulenzen verzichten, die Änderungen der generellen geldpolitischen Gangart auslösen könnten.

Im Euroraum haben Impfungen gegen Corona später begonnen und die Region ist gerade erst dabei, die Double-Dip-Rezession hinter sich zu lassen. Während die Ziele der Impfkampagne erst in einigen Monaten erreicht werden dürften, könnten neue Virusvarianten nochmalige Einschränkungen im Reiseverkehr nach sich ziehen.

Kein Feuerwerk

“Die jüngsten Signale der Fed dürften der EZB helfen”, sagte Gilles Moec, Chefvolkswirt bei AXA Investment Managers. “Ich erwarte am Donnerstag kein Feuerwerk, ich glaube nicht, dass sie vorpreschen wollen.”

In Bezug auf Stimulusmaßnahmen der Notenbank dürften Überraschungen bei der geldpolitischen Entscheidung diese Woche ausbleiben. Der dem Taubenlager zuzurechnende EZB-Direktor Fabio Panetta zum Beispiel argumentierte, es gebe keinen Grund, das Tempo der pandemiebedingten Anleihekäufe von etwa 20 Milliarden Euro pro Woche zu verlangsamen.

Falken wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann haben sich zum Thema weitgehend zurückgehalten, während EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, das günstige Finanzierungsumfeld werde bis weit in die wirtschaftliche Erholung hinein beibehalten.

Bei der Fed äußerte sich vor der Ruhephase im Vorfeld der Zinsentscheidung nächste Woche zuletzt Loretta Mester zum geldpolitischen Kurs. “Wir wollen hier ganz bewusst geduldig sein, weil es für die Wirtschaft ja ein riesiger, riesiger Schock war.” Der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, sagte, er würde derzeit nicht weiter gehen, als darüber zu reden, wohin sich die Wirtschaft entwickelt.

Eklatante Unterschiede

Die Unterschiede zur Eurozone sind eklatant. Die Inflation in den USA könnte auf 4,7% steigen, wenn am Donnerstag die Mai-Daten veröffentlicht werden. Genau zur selben Zeit beginnt Lagarde ihre Pressekonferenz. Die OECD sieht die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 6,9% wachsen - damit wäre sie dann größer, als vor der Pandemie.

Im Euroraum liegt die Inflation bei 2%, leicht über dem Zielwert der EZB. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 4,3% wachsen und erst nächstes Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Am Freitag waren die US-Arbeitsmarktdaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was die Unsicherheit bezüglich der Konjunkturaussichten verstärkte. In Bezug auf die Inflation gehen sowohl Fed als auch EZB davon aus, dass die Teuerungsrate abflauen wird, wenn sich die Kraftstoffpreise stabilisieren und die Engpässe, die den Unternehmen zu schaffen machen, überwunden sind.

“Ich glaube nicht, dass Inflations- und Lohndruck wesentlich zunehmen werden”, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei Berenberg. “In den USA ist das Risiko größer, aber auch dort sehe ich keine Lohninflation, die sich verselbstständigt.”

Investoren gehen davon aus, dass beide Zentralbanken ihre Anleihekäufe frühestens im September zurückfahren und die Zinsen nicht vor 2023 anheben werden.

Dem Lager der Tauben scheinen auch die Bank of Japan und die Reserve Bank of India anzugehören. Die People’s Bank of China erklärte, keine abrupten Änderungen der Geldpolitik vornehmen zu wollen.

Klare Divergenz

Einige kleinere Volkswirtschaften gehen unterdessen gegen Inflation vor. Sowohl Neuseeland als auch Südkorea haben die Möglichkeit von Zinserhöhungen signalisiert. Kanada deutete eine Reduzierung der Anleihekäufe an. Norwegen könnte die Zinsen innerhalb der nächsten Monate anheben, wie es Island bereits getan hat. Auch Russland und Brasilien haben begonnen, ihre Geldpolitik zu straffen.

“Eine klare Divergenz zeichnet sich ab”, sagt Mansoor Mohi-uddin, Chefökonom bei der Bank of Singapore Ltd. “Die Fed wird ihre Assetkäufe nur langsam zurückfahren. Derweil sind EZB und BOJ auch daran interessiert, das geldpolitische Umfeld während der Pandemie locker zu halten.”

Für die EZB ist immer noch unklar, wie viele Unternehmen die Folgen der Pandemie nicht überleben und wie viele Arbeitsplätze verloren gehen werden, wenn die aktuellen Stützungsprogramme der Regierungen auslaufen. Ein Ende der Stimulusprogramme steht bislang noch auf keiner Seiten des Atlantiks an, um konjunkturelle Störungen zu vermeiden.

Überschrift des Artikels im Original:ECB Is Aligning With Fed in Double Act to Keep Stimulus Flowing

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