EZB-Bondkaufplan treibt Anleger in riskanteres Marktsegment

Libby Cherry
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Der Stimulus-Plan der Europäischen Zentralbank verschärft den Wettbewerb zwischen Anlegern am Junkbond-Markt und treibt viele auf der Jagd nach Rendite in das riskantere Segment.

Das Anleihekaufprogramm der EZB hat bereits die Spreads der stärksten Hochzins-Unternehmensanleihen im Vergleich zu ihren schwächeren Pendants gedrückt, da Manager von Investment-Grade-Vermögenswerten mit traditionellen Fonds um das Angebot konkurrieren. Angesichts der Aussicht auf weitere Maßnahmen der EZB wird sich dieser Trend beschleunigen.

“Wir gehen davon aus, dass dies zu mehr von einer Renditejagd motivierten Transaktionen führen wird, bei denen Anleger gezwungen sind, mehr Risiken einzugehen, um die gewünschten Erträge zu erzielen”, sagt Daniel Lamy, Stratege von JPMorgan Chase & Co., in einem Telefoninterview.

Zwar ist die genaue Art der EZB-Stimuli nach wie vor unklar, jedoch erscheinen weitere Aktiva-Käufe unvermeidlich. Dies wird Anleger aus dem bonitätsstärkeren Segment weiter in den Junk-Bereich treiben, da die Notenbank mit Käufen beginnen wird, während die Investment-Grade-Emissionen sinken. Ihre Optionen sind auch dadurch begrenzt, dass viele bonitätsstärkere Unternehmen bereits refinanziert haben oder ihre Ratings auf Junk gesenkt wurden.

So genannte gefallene Engel - Unternehmensanleihen, die von Investmentgrade auf Junk herabgestuft wurden - trugen in den ersten neun Monaten 80 Milliarden Euro zum Hochzinsvolumen bei und dürften die Emissionen bis ins nächste Jahr hinein stützen, schrieb Fitch Ratings in einem Bericht letzte Woche.

Traditionelle Fonds müssen bei neuen Transaktionen stärker um Anleihen kämpfen und erhalten weniger als sie möchten, berichtet Guillaume Truttman, Hochzins-Portfoliomanager bei Financiere Meeschaert.

Junkbonds machten Ende Juni rund 6% der Investment-Grade-Fondspositionen aus, nach 4,5% im Vorjahr, so JPMorgan Chase & Co.

Die Spread-Differenz zwischen stärkeren Junk-Unternehmensanleihen mit ‘BB’-Noten, die von Investment-Grade-Anlegern am meisten bevorzugt werden, und Anleihen mit den schlechteren ‘B’-Noten, befindet sich nun auf dem höchsten Niveau seit Ende Mai, geht aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervor. Diese Diskrepanz könnte weiter zunehmen, da mehr Investoren in das stärkere Ende des Hochzinsmarktes hereinströmen.

Investoren in bonitätsstärkere Papiere waren durch das Angebot an höher bewerteten Unternehmensanleihen am Primärmarkt verwöhnt. Laut Lamy machten Anleihen mit BB-Bewertungen, die sicherste Junk-Kategorie, in diesem Jahr einen Rekordwert von 63% des gesamten Hochzinsvolumens aus.

Jüngste gefallene Engel wie Renault SA und Ado Properties SA sind bei einer Ausweitung der EZB-Käufe von Hochzinsanleihen die wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Aufnahme, jedoch seien umfassende Käufe von Hochzinspapieren „relativ unwahrscheinlich“, schrieben andere JPMorgan-Analysten in einem Bericht am 30. Oktober.

“Das EZB-Programm dämpft die Volatilität und lässt den Anlegern kaum eine andere Wahl als mehr Risiko einzugehen”, sagte Andrey Kuznetsov, Portfoliomanager bei Federated Hermes.

Überschrift des Artikels im Original:ECB’s Bond-Buying Plan Pushes Investors to Riskier End of Market

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.