Draghi treibt den Euro auf neue Höhen


So hat die Europäische Zentralbank entschieden:

  • Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.
  • Der Einlagezinssatz für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.
  • Das Kaufprogramm für Staatsanleihen wird wie im Oktober 2017 angekündigt seit Januar dieses Jahres auf 30 Milliarden Euro halbiert und läuft auf diesem Niveau zunächst bis September 2018 weiter.
  • Die EZB ist weiterhin bereit, das Anleihenkaufprogramm im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer jederzeit auszuweiten.


+++„EZB wird nachlagen, wenn die Marktreaktion nicht gefallen hat“+++
„Angesichts der recht heftigen Marktreaktion scheint man aber doch die Frage stellen zu dürfen, warum sich die EZB unzufrieden über die Volatilität des Euro zeigt, wenn sie sich selbst als Quelle der Volatilität entpuppt“, meint Christoph Kutt von der DZ Bank.Die heutige Nachricht scheine eher gewesen zu sein, dass die EZB auf Kurs bleibe, aber nicht nochmal expansiver wird und die Krisenmedikamente angesichts einer robusten Konjunkturentwicklung langsam reduziert. „Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass die EZB-Vertreter in den Tagen nach einer Sitzung nachlegen, wenn ihnen die Marktreaktion nicht gefallen hat.“

+++„Eine verbale Intervention sieht anders aus“+++

„Mario Draghi hat den Euro erwähnt. Eine verbale Intervention sieht jedoch anders aus“, meint Thomas Altmann von QC Partners. „Es wirkt, als wolle der Markt jetzt testen, bei welchem Euro-Kurs die Schmerzgrenze der EZB liegt. Mario Draghi hat zwar die Euro-Schwankungen beleuchtet, nicht jedoch den Euro-Kurs. Für deutsche Aktien ist das keine gute Nachricht. Die Anleger stellen sich jetzt eine Frage: Konnte Mario Draghi den Euro nicht stoppen oder wollte er nicht?“

+++Zukunft des Anleihenkaufprogramms ist offen+++

Die EZB lässt auf jeden Fall die Zukunft ihres Anleihenkaufprogramms vorerst offen. Wie nach Ende September damit verfahren werden solle, sei nicht diskutiert worden, sagte Draghi. Man müsse generell zwischen den Optionen einer Ausweitung des Programms, einer schrittweisen Drosselung und eines „plötzlichen Stopps“ unterscheiden. „Und das ist exakt ein Teil der Diskussion, die wir haben werden“, sagte Draghi. Welche Möglichkeit die wahrscheinlichste ist, ließ er offen. Zugleich verwies er auf seine frühere Äußerung, das Programm werde nicht abrupt enden.




+++Die EZB verharrt tief im Krisenmodus+++

„Die Europäische Zentralbank hat heute die Chance vertan, ein neues Signal in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung zu senden“, meint Christian Ossig vom deutschen Bankenverband. „Stattdessen verharrt sie tief im Krisenmodus“. Dieser Kurs müsse in absehbarer Zeit enden. Denn die Gegensätze seien enorm: Während im Euro-Raum ein recht kräftiger Aufschwung in Gang gekommen sei, und sich die Inflationsrate bereits vor einem Jahr deutlich von der Nulllinie entfernt habe, pumpe die EZB weiterhin jeden Monat einen zweistelligen Milliardenbetrag an zusätzlicher Liquidität in die Märkte. „Zudem belastet sie mit einem negativen Einlagezins die Ertragslage der Banken im Euro-Raum – derzeit mit rund 7,5 Milliarden Euro jährlich. Dieses Geld könnten die Finanzinstitute an anderer Stelle viel besser einsetzen, etwa um ihre Bilanzen zu stärken oder um noch mehr in die Digitalisierung zu investieren.“


+++Draghi redet den Euro nicht genug nach unten+++

In einer ersten Stellungnahmen zur EZB-Entscheidung und der Pressekonferenz meint Ulrich Leuchtmann, Devisen-Analyst bei der Commerzbank. „Draghi redet den Euro nicht herauf, er redet ihn nicht genug nach unten. Der Markt interpretiert das so, dass es noch Platz nach oben gibt. Die EZB scheint noch keinen Handlungsbedarf zu sehen.“


+++Wo liegt der richtige Euro-Kurs?+++

Wo liegt der richtige Euro-Kurs? wurde Draghi gefragt. Die Frage konnte er aber nicht richtig beantworten. Dafür zählte der EZB-Präsident die verschiedenen Faktoren auf, die die Richtung einer Währung beeinflussen können: Zinssätze, Statements der Notenbanken, Höhe der Löhne, politische Einflussnahme usw....




+++ „Wachstum ist solide und breit“ +++

Draghi äußerte sich zudem zuversichtlich zur Konjunktur in der Euro-Zone. Die Daten zeigten, dass das Wachstum „solide und breit“ angelegt sei. Mittelfristig dürfte die Kerninflation graduell steigen. Der inländische Preisdruck bleibe aber gedämpft, zeige aber zumindest einen ermutigenden Aufwärtstrend.


+++ Der Euro steigt auf über 1,25 Dollar +++
Innerhalb von zwei Tagen ist die europäische Gemeinschaftswährung um mehr als drei US-Cent gestiegen. Und die Rede von Draghi beflügelt den Kurs dramatisch. Mittlerweile notiert der Euro bei 1,2520 US-Dollar. Der Dax fällt weiter in Richtung Tagestief.


+++ Gibt es einen Währungskrieg? +++

„Gibt es einen Währungskrieg?“, wird Draghi gefragt. Schließlich würden sich die US-Behörden einen schwächeren US-Dollar wünschen. „Währungskurse sind wichtig für wichtig für das Wachstum und Stabilität“, entgegnet Draghi. „Aber wir schauen auf die Inflation, das ist unsere wichtigste Größe“. Die Währungskurse wären kein Ziel für die Notenbanker. Ein Wechselkursziel habe die EZB nicht.

+++ Der Euro steigt weiter +++

Wenn Draghi einen schwächeren Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung herbeireden wollte, dann ist ihm das gründlich misslungen. Der Euro zieht auf 1,2480 US-Dollar an - der höchste Wert seit Dezember 2014. Im Gegenzug fällt das deutsche Börsenbarometer um 50 Punkte auf unter 13.400 Punkte.


+++ Der Euro wird zum Thema +++
Draghi warnt wie im September des vergangenen Jahres: „Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert“. Das Erstarken der Gemeinschaftswährung verteuert Produkte von Firmen aus dem Euroraum auf den Weltmärkten tendenziell. Das könnte in der Folge die Exporte und damit das hiesige Wirtschaftswachstum dämpfen. Zugleich werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt. Damit wird es für die EZB schwieriger, ihr mittelfristiges Ziel einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent zu erreichen. Als Reaktion zieht der Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar aber leicht an. Er erwähnt auch, dass die Inflation in den vergangen Monaten gesunken sei.




+++ Draghi beginnt mit Pressekonferenz +++
EZB-Präsident Mario Draghi beginnt mit der Konferenz und liest die Pressemitteilung ab. Er bekräftigt, das Anleihenkaufprogramm jederzeit in Höhe und Länge auszuweiten.


+++ Warten auf die Pressekonferenz +++
Die Europäische Zentralbank (EZB) macht keine Abstriche an ihrem Ausblick. Die Währungshüter bekräftigten am Donnerstag, die Schlüsselzinsen würden weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der sogenannte Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken.


Die Währungshüter bekräftigten zudem, dass die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden sollen - und dann ein Volumen von 2,55 Billionen Euro haben dürften. Die Verknüpfung der Transaktionen mit der Inflationsentwicklung wurde ebenfalls beibehalten. Im Notfall will die EZB ihr Kaufprogramm weiterhin hinsichtlich Umfang und/oder Dauer ausweiten.

Weitere Einzelheiten könnte Draghi dann auf der Pressekonferenz ab 14.30 Uhr erläutern. Investoren werden sehr genau hinhören, wie sich der EZB-Präsident zum Wechselkurs und zum weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank äußert. Denn die europäische Gemeinschaftswährung ist am heutigen Donnerstag mit 1,2459 US-Dollar auf ein Mehr-Jahres-Hoch gestiegen.

Die EZB-Ratsmitglieder haben sich im Vorfeld der Sitzung unterschiedlich geäußert. EZB-Vizepräsident Constancio sagte, plötzliche Kursbewegungen würden der EZB Sorgen bereiten, „soweit sie keine Änderung der fundamentalen Lage widerspiegeln.“ Der österreichische Notenbankchef Nowotny bezeichnete den Kursanstieg des Euro als „nicht hilfreich.“ Dagegen führte das estnische Ratsmitglied Hansson die Stärke des Euro auf die starke Wirtschaftsentwicklung im Euroraum zurück und warnte, man solle dies „nicht überdramatisieren.“



Die größte Herausforderung für die Zentralbanker ist, dass der starke Euro die Inflation drücken könnte, die laut den EZB-Prognosen nicht vor Ende 2020 den Zielwert erreichen wird. In der Sprache der Notenbanker heißt es: Draghi warnt davor, dass die Volatilität eine Quelle der Unsicherheit ist, die überwacht werden müsse. Diese Formulierung wurde zuletzt im September nach einem Anstieg der Gemeinschaftswährung von 14 Prozent seit Jahresbeginn benutzt - und führte zu einer Abschwächung des Euro in den folgenden zwei Monaten.