EZB tastet Zinssätze und Anleihekaufprogramm nicht an

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EZB belässt Zinsatz bei null Prozent

Im Bemühen um eine Beruhigung der Finanzmärkte hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins der Eurozone wie erwartet nicht angetastet. Die EZB beließ den Zins am Donnerstag bei null Prozent und hält außerdem an ihrem Anleihekaufprogramm fest, wie die Notenbank nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt am Main mitteilte. EZB-Präsident Mario Draghi sagte zudem, die Inflation habe noch nicht das gewünschte Niveau erreicht.

Auch die beiden anderen wichtigen Zinssätze der EZB bleiben vorerst unverändert: Lagern Banken ihr Geld kurzfristig bei der EZB ein, statt es an Unternehmen zu verleihen, zahlen sie weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig.

Die EZB setzt außerdem ihr Anleihekaufprogramm fort, das derzeit einen Umfang von monatlich 60 Milliarden Euro hat. Diese Maßnahme werde "bis Ende Dezember 2017 oder erforderlichenfalls darüber hinaus" bestehen bleiben - in jedem Fall aber so lange, "bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht".

Die EZB hatte den zentralen Zinssatz im März 2016 auf den historisch niedrigen Wert von 0,0 Prozent gesenkt, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Zuletzt geriet die Notenbank wegen der gestiegenen Inflation aber zunehmend unter Druck, von ihrer lockeren Geldpolitik abzurücken. Bei ihrer vorherigen Sitzung im Juni hatte sie Signale eines Wechsels der Geldpolitik ausgesandt, die Zinssätze aber nicht angetastet.

Draghis Pressekonferenz geriet daher zu einem Balanceakt, bei dem er einerseits die Finanzmärkte beruhigen musste, andererseits aber den Weg für eine spätere Abkehr der Geldpolitik nicht versperren durfte. Die Inflation der Eurozone sei noch nicht auf dem gewünschten Niveau, sagte Draghi am Donnerstagnachmittag vor Journalisten. "Wir müssen ausdauernd, geduldig und behutsam sein", fügte er mit Blick auf einen möglichen Wandel der Geldpolitik hinzu.

Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Im Juni lag sie in der Eurozone bei 1,3 Prozent.

Das Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigte sich enttäuscht: "Die Weigerung der EZB, ein allmähliches Auslaufen der Wertpapierkäufe auch nur kommunikativ vorzubereiten, wirkt zunehmend dogmatisch", erklärte das ZEW. Im Umfeld einer guten Kreditversorgung von Unternehmen, einem Konjunkturaufschwung in der Eurozone und einer steigenden Inflation sei diese Geldpolitik "nicht mehr rational". Die EZB riskiere, die Märkte nicht mehr rechtzeitig auf eine Wende vorbereiten zu können.

Auch der Bankenverband erklärte, sich "zumindest verbal einen weiteren kleinen Trippelschritt in Richtung Ausstieg" aus der expansiven Geldpolitik gewünscht zu haben. Im Vorfeld der EZB-Ratssitzung hatte bereits das Münchner Ifo-Institut eine Ausstiegsstrategie der Notenbank aus der lockeren Geldpolitik gefordert. Ein solcher Plan "sollte beinhalten, dass ab Januar 2018 die Anleihekäufe aufhören", hieß es.