EZB-Aufseher: Brauchen rasch Brexit-Pläne umzugswilliger Banken

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Europas Bankenaufseher drängen umzugswillige Auslandsbanken zur Vorlage ihrer Brexit-Pläne. "Jede Bank, die ihren Sitz aus Großbritannien in die Eurozone verlagern will, sollte ihren Lizenzantrag eigentlich bereits gestellt haben", betonte die Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger, am Mittwoch in Frankfurt. "Aber wenn sie das noch nicht getan hat, sollte sie das bis spätestens Ende des zweiten Quartals 2018 tun."

Der geplante EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) stellt in London angesiedelte Banken vor ein Problem: Sie benötigen für Dienstleistungen wie das Einlagen- und Kreditgeschäft in der Europäischen Union Töchter mit Sitz in einem EU-Staat. Die Zwei-Jahres-Frist für die Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und Brüssel über die Brexit-Modalitäten läuft bis März 2019. Auch der Finanzplatz Frankfurt will vom Umzug von Bankern aus London an den Main profitieren.

Maßgebliche Behörde für die notwendige Bankenlizenz ist die Europäische Zentralbank (EZB), die seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt beaufsichtigt. Nach Angaben der Aufseher haben sich bis jetzt acht Banken um eine solche Lizenz beworben, vier weitere Banken planen demnach, ihre Aktivitäten im Euroraum signifikant auszuweiten.

Sorgen machen den EZB-Aufsehern die immer noch gewaltigen Bestände von Problemkrediten ("Non-Performing Loans"/NPL) in den Bilanzen vieler Institute. "Banken sollten gute Zeiten nutzen, um NPLs zu reduzieren - und die guten Zeiten sind jetzt", mahnte die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Danièle Nouy. Zwar seien die Bestände ausfallgefährdeter Darlehen im Euroraum in den vergangenen Jahren um 200 Milliarden Euro gesunken. Im dritten Quartal 2017 seien es aber noch 760 Milliarden gewesen. Faule Kredite hemmen das Neugeschäft.