Extrem-Roadster: Wie sich eine Fahrt im McLaren Elva anfühlt

·Lesedauer: 4 Min.
Ohne Dach und ohne Frontscheibe: Im McLaren Elva geht es luftiger zu als in den meisten anderen Roadstern.
Ohne Dach und ohne Frontscheibe: Im McLaren Elva geht es luftiger zu als in den meisten anderen Roadstern.

In diesem Auto wird jedes noch so laue Lüftchen zu einem Orkan - denn ohne Dach und ohne Scheiben aber dafür mit mehr als 800 PS ist der McLaren Elva der stürmischste Sportwagen der Saison. Allerdings hat dieses frische Vergnügen auch einen ungestümen Preis.

Berlin (dpa-infocom) - McLaren setzt seine besten Kunden jetzt an die frische Luft und lässt sie dabei zur Not im Regen stehen. Denn wenn die Briten in diesem Frühjahr mit der Auslieferung des Elva beginnen, bieten sie weniger Auto als jeder andere Hersteller: Ohne Verdeck und Fenster, ja sogar ohne Frontscheibe wird der Zweisitzer zum stürmischsten Spider der Saison.

Auch wenn der Elva so manchen Passanten zu einem Foto veranlassen dürfte, oft zu Gesicht bekommen wird man den Extremisten aus England sicherlich nicht. Denn mehr als 149 Exemplare wollen die Briten nicht bauen. Bei einem Preis von 1,7 Millionen Euro werden sich wohl auch nicht allzu viele Käufer finden.

Purismus mit Platin-Schmuck

Es ist zwar vor allem die radikale Reduktion, die diesen Roadster ausmacht. Aber nur weil die Briten alles überflüssige weggelassen haben, ist der Elva kein schmuckloses und schlichtes Auto. Im Gegenteil: Eigens für den Open-Air-Einsatz haben sie ein wetterbeständiges Luxus-Interior aus Kunstfasern entwickelt. Es gibt neue Schalensitze mit einer besonders ergonomischen Einstellung, und um die wenigen Zierelemente in der luftigen Lounge für Schnellfahrer zu betonen, bietet McLaren die Metallelemente auch in Weißgold oder gleich in Platin an.

Zwar gibt es auf den ersten Blick tatsächlich keinen Schutz gegen Wind und Wetter - außer natürlich der Schutzbrille und dem maßgeschneiderten Helm, der eigens im Windkanal optimiert wurde. Doch wer den Elva mal in Fahrt erlebt, der entdeckt eine Eigenheit, die es so noch bei keinem anderen Auto gegeben hat: Das Active-Air-Management-System.

Mit Hightech gegen den Luftstrom

Herzstück dieses Hightech-Helfers ist ein etwa 15 Zentimeter hoher Spoiler. Zumeist in Kontrastfarben lackiert, fährt er bei Tempo 50 automatisch aus dem Bug und lenkt den Luftstrom auf ausgeklügelte Weise um: Die Luft wird unter der Front eingesaugt, durch verschiedene Kanäle geleitet und in einem Winkel von 130 Grad so über den Wagen geführt, dass darunter eine geschützte Luftglocke entsteht. Natürlich spürt man das Tempo trotzdem noch. Doch während einem sonst die Haare um die Ohren peitschen, streift jetzt nur ein gemäßigter Windhauch über den Kopf. Und kommt es zu einer Begegnung mit Insekten, stört das nicht mehr als bei einer flotten Fahrt auf dem Rad.

Wie viel das System bringt, merkt man spätestens dann, wenn man das Schild auf Knopfdruck wieder einklappt oder sich über Tempo 200 wagt. Weil dann der Motor alle Luft zur Kühlung braucht und McLaren die Kunden nicht in falscher Sicherheit wiegen will, gelingen solche Tempi nur mit deaktiviertem Air-Management und am besten mit Helm. Denn was eben noch erfrischend war, ist bei Highspeed nur für Hartgesottene auszuhalten. Schließlich fühlt es sich an wie in einer Achterbahn, wenn der Wagen über die Kuppe rollt und sich dann in die Tiefe stürzt. Und man sitzt dabei schutzlos in der ersten Reihe.

Windmaschine mit 815 PS

Dass der Elva solch extreme Erlebnisse bietet, liegt zum einen am geringen Gewicht. Denn ohne Dach und Scheiben zeigt die Waage nur noch 1148 Kilo, was ihn zum bislang leichtesten Straßenauto der Briten macht. Zum anderen liegt es an seinem Motor. Wie der Senna wird er von einem 4,0 Liter großen V8-Motor angetrieben, dem zwei Turbolader gewaltige 599 kW/815 PS einblasen. Mit einem Drehmoment von bis zu 800 Nm sind die ersten 100 km/h nach 2,8 Sekunden erreicht. Die «200» flimmert nach 6,8 Sekunden über das digitale Cockpit, das McLaren vom neuen Artura übernommen hat. Und wer mutig genug ist, den rechten Fuß stehen zu lassen, der erreicht bis zu 327 km/h.

Fazit: Extravaganter Roadster für Liebhaber

Natürlich ist er ebenso unvernünftig wie extravagant und deshalb mehr Spielzeug als Fahrzeug. Doch für einige Sportwagenliebhaber macht genau das die Faszination aus. Und dass der Elva bei Regenwetter seinen Reiz verliert, trübt die Begeisterung nicht im Geringsten. Denn erstens fährt man mit mehr als 300 km/h jeder dunklen Wolke davon. Und zweitens sind Menschen, die sich ein Auto für 1,7 Millionen Euro leisten können, ohnehin auf der Sonnenseite des Lebens.

Datenblatt: McLaren Elva

Motor und Antrieb

V8-Turbobenzin-Direkteinspritzer

Hubraum:

3994 ccm

Max. Leistung:

599 kW/815 PS

Max. Drehmoment:

800 Nm

Antrieb:

Heckantrieb

Getriebe:

7-Gang-Doppelkupplung

Maße und Gewichte

Länge:

4611 mm

Breite:

1944 mm

Höhe:

1088 mm

Radstand:

2670 mm

Leergewicht:

1148 kg

Zuladung:

k.A.

Kofferraumvolumen:

50 Liter

Fahrdaten:

Höchstgeschwindigkeit:

327 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h:

2,8 s

Durchschnittsverbrauch:

k.A.

Reichweite:

k.A.

CO2-Emission:

k.A.

Kraftstoff:

Super

Schadstoffklasse:

Eu6b

Energieeffizienzklasse:

k.A.

Kosten:

Basispreis des McLaren Elva:

1,7 Millionen Euro

Typklassen:

k.A.

Kfz-Steuer:

k.A.

Wichtige Serienausstattung:

Sicherheit:

Zwei Airbags, ESP, Airbrake

Komfort:

Klimaautomatik, Rückfahrkamera, automatischer Windabweiser

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke