Extrem niedrige Wahlbeteiligung in Kenia nach Boykottaufruf der Opposition

Ausschreitungen am Wahltag in Nairobi

Die Mehrheit der Kenianer ist dem Aufruf der Opposition gefolgt, die Wiederholung der Präsidentenwahl am Donnerstag zu boykottieren. Schätzungsweise weniger als 35 Prozent der 19,6 Millionen registrierten Wähler seien an die Urnen gegangen, teilte der Chef der umstrittenen Wahlkommission (IEBC), Wafula Chebukati, am Freitag über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. An der später annullierten Wahl vom 8. August hatten sich noch fast 80 Prozent beteiligt.

In den Oppositionshochburgen hatten sich Regierungsgegner am Donnerstag heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Mindestens vier Menschen starben durch Schüsse, rund 50 weitere wurden verletzt. In vier der insgesamt 47 Landkreise des ostafrikanischen Landes soll die Wahl wegen der Gewalt am Samstag stattfinden. Insgesamt starben seit August bei Gewalttaten im Zusammenhang mit der Wahl mindestens 44 Menschen.

Amtsinhaber Uhuru Kenyatta dürfte als Sieger aus dem Urnengang hervorgehen. Sein bereits drei Mal in Präsidentschaftswahlen unterlegener Herausforderer Raila Odinga war am Donnerstag nicht wieder angetreten.

Der 72-Jährige hatte seine Kandidatur aus Protest gegen die umstrittene Wahlkommission vor zwei Wochen zurückgezogen und zum Boykott der Wahl aufgerufen. Die Opposition wirft der IEBC vor, der Regierung von Kenyatta ergeben zu sein. Auch aus der Wahlkommission selbst war Kritik gekommen: Diese könne keine glaubwürdige Wahl garantieren, sagte ein IEBC-Mitglied, das zurückgetreten war.

Die Zeitung "Daily Nation" schrieb am Freitag, Kenia sei nun "noch gespaltener und instabiler" als zuvor. Das Land brauche dringend eine "politische Lösung".