Hurrikan «Irma» wütet in der Karibik

Das Satellitenbild zeigt den Tropensturm «Irma» über Barbuda und vor Puerto Rico. Foto: Stevens/Allen/NASA Earth Observatory/dpa

Mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern zieht ein Tropensturm der höchsten Kategorie durch die Karibik. Es gibt Tote und Verletzte. Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist noch nicht abzusehen.

San Juan (dpa) - Der extrem gefährliche Hurrikan «Irma» zieht mit unverminderter Kraft durch die Karibik. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen sein.

Nachdem der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf über die französischen Karibikinseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin hinweggefegt war, sprach Staatspräsident Emmanuel Macron in Paris von einer Bilanz, die «hart und grausam» werde. Das Überseeministerium ging später von mindestens zwei Toten und mehreren Verletzten aus.

Zuvor war der Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde über die Kleinen Antillen im Südosten der Karibik hinweggezogen. Besonders heftig wurden die französischen Überseegebiete getroffen. In Saint-Martin wurde das Gebäude der Präfektur teilweise zerstört, wie das Innenministerium mitteilte. Die Präfektin und ihre Mitarbeiter seien in einen Schutzraum geflohen. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt und der Strom fiel aus.

«Die Schäden auf den beiden Inseln sind beträchtlich», sagte Macron. Es gehe zunächst darum, Verletzte zu versorgen und Menschen Unterkunft und Verpflegung zu geben. Macron mahnte «nationale Solidarität» an und kündigte finanzielle Mittel sowie einen Wiederaufbau-Plan an. Überseeministerin Annick Girardin wollte demnach noch am Abend nach Guadeloupe aufbrechen.

Aus dem Staat Antigua und Barbuda wurden zunächst keine schweren Schäden gemeldet. Am Mittwoch wurden die Hauptstraßen von umgestürzten Bäumen und Schutt geräumt, wie die Zeitung «Antigua Chronicle» berichtete. Der Flughafen wurde am Nachmittag wieder geöffnet. «Die Infrastruktur hat standgehalten und wir können wieder zur Normalität zurückkehren», sagte Wirtschaftsminister Asot Michael.

«Irma» ist ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und einer der schwersten jemals in der Region registrierten Tropenstürme. Es sei mit hohen Wellen, Starkregen und heftigem Wind zu rechnen, teilte das Nationale Hurrikanzentrum der USA mit. Der Sturm bewegte sich mit 26 Kilometern pro Stunde Richtung West-Nordwest. Laut Prognose soll er zunächst über Teile der Jungferninseln hinwegziehen, am Mittwochabend (Ortszeit) Puerto Rico streifen und am Donnerstag die Nordküste der Dominikanischen Republik passieren.

«Alle sollten zu Hause Schutz suchen oder die Notunterkünfte aufsuchen», sagte Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló am Mittwoch. «Niemand hat einen Grund, auf der Straße zu sein, außer im Notfall oder wenn er auf dem Weg zu einer Herberge ist.» Bereits vor der Ankunft von «Irma» fiel starker Regen und Bäume knickten um. Rund 300 000 Menschen waren ohne Strom.

Ein Hilfsteam der Vereinten Nationen reiste bereits auf die Karibikinsel Barbados, weitere Teams stehen bereit, wie in New York UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte.

Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an. Als immer wahrscheinlicher gilt zudem, dass «Irma» auf den US-Staat Florida treffen könnte.

Der Sturm könne der schlimmste werden, dem Florida je ausgesetzt gewesen sei, sagte Gouverneur Rick Scott dem Sender ABC. «Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht», sagte Scott. Alle Einwohner sollte sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. «Nehmt was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr», sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe.

Wind, Sturm, Hurrikan: Tropische Unwetter und ihre Stärken

Tropische Wirbelstürme entstehen über dem
Meer, wenn das Wasser mindestens 26 Grad warm ist und stark
verdunstet. Je nach Stärke unterscheiden Meteorologen zwischen
tropischen Depressionen (schwacher Wind, «Depression» im Sinne von
Tiefdruckgebiet), tropischen Stürmen (mittel) und tropischen Orkanen
(stark). Letztere werden im westlichen Atlantik und im östlichen
Pazifik Hurrikans genannt.

Ihre Stärke wird nach der von den Meteorologen Herbert Saffir und
Robert Simpson entwickelten Skala eingeteilt. Demnach ist in den
USA bei einer maximalen Windgeschwindigkeit unter 63
Stundenkilometern von einem Tropentief die Rede. Bei Tempo 63 bis 118
gilt es als Tropensturm, darüber wird Hurrikanstärke erreicht. Ein Hurrikan der Kategorie 1 reicht bis Tempo 153. Stufe 2 gilt bis
177, Stufe 3 bis 208 und Stufe 4 bis 251 Stundenkilometern. Besonders
verheerende Schäden richten Hurrikans der höchsten Kategorie 5 ab
einer Windgeschwindigkeit von 252 Kilometern pro Stunde an.