Expertin: Skandal um Pulli-Werbung zeigt grundsätzliche Probleme bei H&M

Die Welle der Empörung über die schwedische Modekette H&M nach einer als rassistisch empfundenen Werbung ist nach Einschätzung von Experten ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen den Bezug zu seinen Kunden zu verlieren droht

Die Welle der Empörung über die schwedische Modekette H&M nach einer als rassistisch empfundenen Werbung ist nach Einschätzung von Experten ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen den Bezug zu seinen Kunden zu verlieren droht. Die jüngsten Debatten zeigten, dass H&M "Probleme" hinsichtlich der "Digitalisierung in unserer Gesellschaft" sowie in der Unternehmenskommunikation habe, sagte die Marketing-Professorin Eva Ossiansson von der schwedischen Universität Göteborg der Nachrichtenagentur AFP.

Auf der Website des Labels war am vergangenen Montag ein kleiner dunkelhäutiger Junge in einem grünen Kapuzen-Pulli abgebildet gewesen, der den Schriftzug "Coolest Monkey in the Jungle" (Coolster Affe im Urwald) trägt. Dafür erntete H&M Rassismus-Vorwürfe. Das Unternehmen entschuldigte sich wegen der Werbung "bei jedem, den dies verletzt hat" und änderte die Werbung zunächst. Ein Foto des Kapuzen-Pullis ohne den Jungen stand aber weiter auf der Website. Am Dienstag wurde der Pulli schließlich aus dem Sortiment genommen.

In Südafrika konnte dieses Vorgehen die Wogen jedoch nicht glätten. Die radikale Gruppe Kämpfer für Wirtschaftliche Freiheit (EFF) organisierte am Samstag Protestaktionen in mehreren H&M-Filialen im Großraum Johannesburg.

Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie die Aktivisten Werbetafeln in den Geschäften zerstörten, Kleidungsstücke herunterrissen und Schaufensterpuppen umwarfen. In einem H&M-Shop seien zudem Gegenstände gestohlen worden, teilte die südafrikanische Polizei im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die Polizei habe die Aktvisten daher mit Gummigeschossen auseinander getrieben.

H&M gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Marken Schwedens. Das seit 1974 am Stockholmer Aktienmarkt gelistete Unternehmen betreibt weltweit mehr als 4500 Filialen. Die Umsätze gingen aber zuletzt zurück, im Onlinehandel ist H&M nicht so erfolgreich wie andere Bekleidungsfirmen. Wegen der verstärkten Abwanderung von Kunden ins Internet kündigte der schwedische Moderiese Mitte Dezember bereits die Schließung von Filialen an, ohne Details zu nennen.