Experten warnen vor zunehmendem Engpass bei Erziehern

Experten warnen vor Engpass bei Erziehern

Experten rechnen für die kommenden Jahre mit einem steigenden Bedarf an Erziehern. Als Ursachen nennt eine am Dienstag in Nürnberg veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) den Anstieg der Geburtenzahl, zusätzliche Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren sowie den geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen.

"Der Erzieherberuf hat stark an Bedeutung gewonnen", erklärte die IAB-Forscherin Anja Warning. Der Studie zufolge sind derzeit in Deutschland etwa 700.000 Erzieher sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies sei ein Anstieg um ein Drittel in den vergangenen fünf Jahren.

Eine repräsentative Umfrage bei mehr als 10.000 Betrieben zeigt laut IAB jedoch erhebliche Rekrutierungsprobleme im Erzieherberuf. Während es generell bei Stellenausschreibungen durchschnittlich elf Bewerbungen gebe, seien es bei Erziehern nur fünf. Bei etwa der Hälfte der Stellenbesetzungen gebe es aus Sicht der Arbeitgeber zu wenig Bewerbungen oder die Bewerber seien nicht hinreichend qualifiziert.

"Arbeitgeber haben bei Erzieherstellen große Schwierigkeiten, Personal zu finden, ähnlich wie in Fachkraft-Berufen im Bereich Gesundheit und Pflege", erklärte dazu Warning. Das IAB verwies auch auf Einschätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach der Erzieherberuf in Deutschland inzwischen ein Engpassberuf sei. Dies habe auch hohe Belastungen für die vorhandenen Beschäftigten zur Folge.

Mit Blick auf den weiter steigenden Fachkräftebedarf und zugleich das relativ hohe Durchschnittsalter der Beschäftigten mahnte Warning: "Es ist Dringlichkeit gegeben, die Attraktivität des Berufs und der Erzieher-Ausbildung zu verbessern, um das Angebot an ausgebildeten Fachkräften deutlich zu erhöhen."

Das IAB empfiehlt, die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen und dabei anders als bisher auch den schulischen Ausbildungsanteil zu vergüten. Zudem solle es mehr Möglichkeiten zum Quereinstieg geben. Darüber hinaus sei es wichtig, die Arbeitsbedingungen im Beruf zu verbessern, um diesen attraktiver zu machen.