Experten warnen, dass Gesundheitstracker eine Hypochondrie-Welle auslösen könnten

Könnten Fitnesstracker eine Welle von technologie-getriebenen Hypochondern auslösen? [Foto: Getty]

Wer hat heutzutage keinen Fitnesstracker? Während jedoch viele von uns (vier Millionen, um genau zu sein) auf die tragbaren Monitore angewiesen sind, um unsere Gesundheit im Auge zu behalten, sind Ärzte besorgt, dass dies auch Ängste auslösen könnte.

Die Warnung kommt nach einer Untersuchung des britischen Royal College of Surgeons (RCS), in der die Auswirkungen neuer Technologien auf das Gesundheitswesen untersucht werden.

Der Bericht gab Anlass zu der Befürchtung, dass die Fitnesstracker und der durch sie verfügbare Informationsfluss besorgte Nutzer unnötigerweise zu ihren Ärzten treiben könnten, was wiederum Druck auf ein bereits angespanntes Gesundheitssystem ausüben würde.

Die Ärzte glauben, dass die überwältigende Menge an Gesundheitsdaten einen Anstieg technologie-getriebener Hypochondrie auslösen könnte.

Richard Kerr ist der beratende Neurochirurg, der den RCS Future of Surgery Kommissionsbericht leitete. Seiner Meinung nach weisen Forschungsergebnisse zwar darauf hin, dass Gesundheitstracker bessere Möglichkeiten bieten, Patienten früher zu diagnostizieren und zu behandeln. Es gäbe aber auch Bedenken, dass diese ihre Nutzer unnötig in Alarm versetzen könnten.

„Der ‘Sorgenbrunnen’ erhält so einen Hyperantrieb“, erklärte er gestern im Vorfeld seiner Präsentation über die Arbeit der Kommission auf der Ideal International Conference in Bristol.

„Hausarztpraxen und Notaufnahmestationen werden zweifellos mehr Patienten sehen, die sich darüber Gedanken machen, was diese Informationen für sie bedeuten.“

„Eine bessere Früherkennung ist eine gute Nachricht für die Patienten. Vorbeugen oder frühes Eingreifen ist immer besser als Heilen. Das heißt, das öffentliche Gesundheitswesen muss bereit sein, in Zukunft einen Zustrom von Patienten mit potentiell berechtigten Bedenken bezüglich ihres Krankheitsrisikos zu bewältigen.“

Ärzte warnen, dass Fitnesstracker eine zusätzliche Belastung für das öffentliche Gesundheitssystem bedeuten könnten [Foto: Getty]

Kerr äußerte auch Bedenken über das Potenzial für Fehldiagnosen, welches Gesundheits- und Fitness-Technologien möglicherweise darstellen.

„Mediziner müssen sich auch des Risikos von Fehldiagnosen und Überbehandlungen bewusst sein, die diese Verbreitung personalisierter Gesundheitsinformationen mit sich bringen könnte“, fügte er hinzu.

Erst letzte Woche wurde bekannt, dass laut neuesten Forschungsergebnissen die durch Fitnesstracker ausgelöste 10.000-Schritte-Regel eine willkürliche und auf schlechter Wissenschaft basierende Zahl ist.

Laut Prof. David Bassett, Leiter der Abteilung für Kinesiologie, Freizeit und Sport an der Universität von Tennessee, gab es keine wissenschaftliche Grundlage für die Zahl 10.000.

„Sie hatten einfach das Gefühl, dass dies eine Zahl war, die auf einen aktiven Lebensstil hindeutet und gesund sein sollte“, sagte er dem Guardian.


Marie Claire Dorking