Experten fordern mehr Investitionen für Toiletten in Entwicklungsländern

Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi

Auf die verheerenden gesundheitlichen Folgen fehlender sanitärer Anlagen in Entwicklungsländern hat die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) aufmerksam gemacht. Krankheiten wie Schistosomiasis breiteten sich aus, wenn Fäkalien mit frischem Wasser in Kontakt kämen, warnte der Verein am Freitag in Würzburg. Allein dieser Erkrankung fielen jährlich etwa 300.000 Menschen zum Opfer. Die DAHW forderte mehr Investitionen in Toiletten.

Anlass für die Warnung des Vereins ist der Welttoilettentag am Sonntag. Mehr als die Hälfte der Menschen in Entwicklungsländern habe keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Vor allem auf dem Land fehlten dort Toiletten. Die Häuser seien oftmals so klein, dass keine entsprechenden Systeme vorhanden seinen.

Während "Wildpinkler" in Industriestaaten wie etwa Deutschland nur ein "Ärgernis" rund um Jahrmärkte und Volksfeste seien, sei die Situation in den ärmeren Ländern gesundheitsbedrohend. Als Lösung böten sich zentrale Toilettenanlagen in Dörfern an, etwa an Schulen oder Versammlungsplätzen. Absoluter Mindeststandard müsse dabei sein, dass Abwässer und Fäkalien aus den Latrinen nicht an die Oberfläche gelangen und in Gewässer fließen könnten.

Schistosomiasis ist eine durch parasitäre Würmer verursachte schwere Krankheit, die sich über mit Fäkalien verunreinigtes Wasser verbreitet. Sie ist auch als Bilharziose bekannt. Viele Menschen erkranken chronisch, die Krankheit kann aber auch tödlich sein.

Schistosomiasis zählt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten, die in der Öffentlichkeit wenig beachtet werden, aber das Leben unzähliger Menschen in Entwicklungsländern bedrohen. Der WHO zufolge sind vor allem ländliche Gebiete betroffen. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara ist das Risiko einer Erkrankung sehr hoch.

Die DAHW verwies auf die Erfahrungen aus einem eigenen Hilfs- und Forschungsprojekts, das sie mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg in Mwanza am Südufer des Victoriasees in Tansania betreibt. In den Fischerdörfern der Region seien 80 Prozent der Menschen mit Schistosomiasis infiziert. Bei Kindern unter 14 Jahren liegt die Ansteckungsrate bei fast 100 Prozent.