Experten empfehlen Optimierung der bestehenden Stromnetze

Strommasten in Bayern

Zur Vermeidung von Netzengpässen bis zur Fertigstellung der Stromautobahnen quer durch Deutschland hat das Experteninstitut Agora Energiewende eine Optimierung der bestehenden Netze empfohlen. Die Transportkapazitäten der Übertragungsnetze ließen sich mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen "innerhalb von zwei bis vier Jahren erheblich vergrößern", erklärte das Institut am Dienstag.

Zu den empfohlenen Maßnahmen zählten unter anderem der Einsatz von Hochtemperaturleiterseilen, mit denen sich doppelt so viel Energie über vorhandene Trassen transportieren lasse. Außerdem könnte mit speziellen Transformatoren an Umspannwerken Strom von stark belasteten Netzabschnitten auf freie Abschnitte umgeleitet werden. All das sei "Stand der Technik", erklärte Agora-Direktor Patrick Graichen. "Nur setzen wir sie noch nicht flächendeckend ein."

Der Bau sogenannter Stromautobahnen durch Deutschland ist nötig, um die stetig steigenden Windstrommengen von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren. Nach Einschätzung von Angora wird der Netzausbau jedoch erst nach 2025 vollständig realisiert sein. Bis dahin drohten Netzengpässe sowie Redispatches - das sind Eingriffe in die Leistungsfähigkeit von Kraftwerken, die jährlich Millionenkosten verursachen.

"Es geht jetzt darum, rechtliche und regulatorische Hindernisse zu beseitigen, um mehr aus den bestehenden Netzen herauszuholen", erklärte Graichen. Ziel müsse es sein, schon 2020 deutlich mehr Strom durch das bestehende Netz zu transportieren. Agora empfahl ein "Sofortprogramm Bestandsnetze" und forderte Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreiber auf, entsprechende Pläne zu erarbeiten.