Experten beklagen anhaltende Diskriminierung HIV-Infizierter in Deutschland

HIV-Erkrankungen verursachten 2015 Kosten von 278 Millionen Euro

Anlässlich des Welt-Aids-Tages haben Aktivisten eine anhaltende Diskriminierung und Ausgrenzung HIV-Infizierter in Deutschland beklagt. Die Stigmatisierung der Betroffenen sei umso erstaunlicher, als die Bevölkerung 30 Jahre nach Bekanntwerden der Krankheit eigentlich gut darüber informiert sei, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Aids-Hilfe, Silke Klumb, am Freitag im Südwestrundfunk (SWR). Zum Welt-Aids-Tag gab es erneut Rufe nach einer Kostenübernahme für die HIV-Prophylaxe durch die Krankenkassen.

Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember soll alljährlich Menschen dafür sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist. Er steht unter dem Motto "Positiv zusammen leben". In Deutschland infizierten sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr etwa 3100 Menschen neu mit dem HI-Virus. Die Zahl der Neuansteckungen blieb damit relativ konstant. Insgesamt leben hierzulande rund 88.400 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 460 starben 2016 daran.

Selbst im Gesundheitswesen herrschten wider besseres Wissen nach wie vor unbegründete Ängste vor Ansteckung, sagte Klumb. Deswegen bleibe die Aufklärung über HIV auch weiterhin sehr wichtig. Zugleich forderte sie, dass die Krankenkassen die Kosten für die seit 2016 in der EU zugelassenen HIV-Prophylaxe PrEP übernehmen.

PrEP bedeutet, dass Menschen ohne HIV vorbeugend bestimmte antivirale Medikamente einnehmen, um sich bei Sexualkontakten vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Es gebe Menschen, die sich die Kosten von monatlich 50 Euro nicht leisten könnten, wenigstens für die sollte es eine Kostenübernahme geben, sagte Klumb. Ähnlich argumentierte Axel Hochrein vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Die HIV-Prophylaxe könne "eine HIV-Infektion verhindern" und sollte daher von den Kassen bezahlt werden.

HIV-Infektionen verursachten in Deutschland im Jahr 2015 Krankheitskosten von 278 Millionen Euro. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anlässlich des Welt-Aids-Tages mitteilte, entfielen 216 Millionen Euro davon und damit rund drei Viertel (78 Prozent) der Kosten auf Männer. Im Altersvergleich entstanden die höchsten Kosten mit 159 Millionen Euro bei den 45- bis 64-jährigen Männern und Frauen.