Experte Thomas Gebert: "Vielleicht ein wenig Gold"

Jochen Kauper

Möglicherweise steht der Dollar vor einer längeren Abwärtsbewegung. Der Goldpreis könnte davon profitieren. "Ich hatte an dieser Stelle vor einem Jahr eine unmittelbar bevorstehende große Dollar-Wende erwartet. Meine damalige Annahme stand diametral den Prognosen der Banken und Brokerhäuser gegenüber. Alle, buchstäblich alle, Analysten gingen von einem weiter steigenden Dollar und einen im Gegenzug fallenden Euro aus. Kurse von 0,95 Dollar für einen Euro wurden an die Wand gemalt. Es kam anders", sagt Thomas Gebert.

"Der Dollar drehte tatsächlich bei 1,04 Dollar für einen Euro und fiel bis auf 1,20 Dollar für einen Euro. Damit registrierte die US-Währung den steilsten Fall seit 1971. Meine sich als richtig herausstellende Prognose beruhte auf dem 16-jährigen Dollar-Zyklus. Alle 16 Jahre prägte der Dollar in der Vergangenheit einen Gipfel aus und machte sich in den Jahren danach auf den Weg zu einer langen Abwärtsbewegung, so nach Anfang 1969, nach Anfang 1985, nach Anfang 2001 und nun vermutlich wieder seit Anfang 2017. Wenn dieser Rhythmus weiter stimmt, - bis hierher hat er gestimmt - werden wir einen langen Abstieg des Dollar vor uns haben, der in einem Kollaps der US-Währung mündet. Das hätte dramatische Konsequenzen für alle Finanzmärkte. Dies ist ein Szenario, mit dem im Moment niemand rechnet", erläutert Börsenexperte Gebert.

Höhere US-Zinsen = steigender Dollar?

Im Gegenteil, die Mehrzahl der Banken gehen von einem wieder steigenden Dollar aus. Als Grund werden die höheren US-Zinsen und die Repatriierung der im Ausland gehaltenen Gelder von US-Firmen aufgrund der Steuerreform genannt. "Diese beiden Punkte müssen den Dollar aber nicht zwangsläufig nach oben treiben. Höhere Zinsen in den USA hielten den Dollar von früheren Stürzen auch nicht ab. Und von den gigantischen Summen, die US-Firmen angeblich heim holen wollen, bleiben nach Schätzungen des Wall Street Journal 300 Milliarden Dollar. Diese liegen wahrscheinlich schon im Dollar und müssen nicht mehr getauscht werden", glaubt Gebert.

Und weiter: "Auf der anderen Seite stehen die Dollar-Guthaben von Ausländern, die sich aufgrund des jährlichen Handelsbilanzdefizits der Amerikaner von 500 Milliarden Dollar angesammelt haben. Ausländer besitzen mittlerweile elf Billionen Dollar. Wenn der Dollar einmal anfängt zu fallen, gibt es dann kein Halten mehr. Ausländer wollen nichts wie raus aus dem Dollar um Vermögensverluste zu vermeiden. Diese sich so ergebenden Dollar-Paniken traten jeweils im 16-jährigen Rhythmus auf. Der kollabierende Dollar zog jedes Mal die die deutschen Aktien im gleichen Takt mit in den Abgrund, so in den Jahren 1971,1987 und 2003. Reüssieren konnte dagegen das Gold in den Phasen des zusammenbrechenden Dollar. Sein Preis vervielfachte sich jeweils. Niemand rechnet im Moment mit diesem Szenario des zusammenbrechenden Dollar. Trotzdem halte ich es für realistisch. Ein bisschen Gold im Depot - währungsgesichert, denn sonst schmälert ein fallender Dollar den möglichen Gewinn am Gold - sollte deshalb nicht schaden. Der Zeitpunkt scheint im Moment ganz günstig zu sein. Der Verlauf des Goldpreises weist einen typischen saisonalen Rhythmus auf. In den letzten vier Jahren ging es jeweils nach der Weihnachtszeit deutlich bergauf" sagt Thomas Gebert.

Mehr zu Thomas Gebert gibt es unter www.gebertbrief.de