Experte fordert zentrale Aufsichtsbehörde für Onlinecasinos in Deutschland

Der Glücksspielexperte Tilman Becker hat eine zentrale Aufsichtsbehörde für Anbieter von Onlinecasinos auf Bundesebene gefordert. Derzeit führe die Uneinigkeit der Bundesländer dazu, dass der Markt für illegale Angebote regelrecht blühe, erklärte der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim in Stuttgart am Mittwoch anlässlich der Eröffnung einer Fachkonferenz.

Er verwies auf das Land Schleswig-Holstein, dass von 2011 bis 2013 im Alleingang Siebenjahreslizenzen für virtuelle Spielcasinos und Sportwetten vergeben hatte. Diese gälten zwar eigentlich nur für dieses Bundesland. Faktisch lasse sich aber nicht kontrollieren, ob auch Bürger anderer Länder spielten. Die Anbieter verschwiegen dies außerdem.

Becker bezeichnete es insgesamt als "Konstruktionsfehler", die Zuständigkeit zur Regulierung dieses Markts dezentral bei den Ländern anzusiedeln. "Die teilweise laxe oder sogar bewusst destruktive Haltung mancher Länder hat Deutschland zu einem Schutzraum für illegale Glücksspieler gemacht."

Der Experte sprach von einem "Staatsversagen", durch das der öffentlichen Hand jährlich schätzungsweise Einnahmen von deutlich mehr als einer halben Milliarde Euro entgingen. Die Verantwortung dürfe nicht länger auf 16 Länder aufgeteilt sein. Sie müsse bei einer Bundesbehörde angesiedelt werden.