Experte: "Explosion ist ein hypothetischer Fall"

Die europäische Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA warnt vor einer Explosionsgefahr beim Airbus A350-941. Luftfahrzeugtechnik-Professor Klaus Wolf schätzt die Situation jedoch als nicht gravierend ein.


Die Warnung der EASA hat die höchste Dringlichkeitsstufe: Beim Großraumflugzeug Airbus A350-941 kann es durch einen Überhitzungsfehler an einer Pumpe zu einer Entzündung des Treibstoffs im Kraftstofftank kommen. Dazu braucht es aber eine Verkettung mehrerer Fehler. Im schlimmsten Fall besteht Explosionsgefahr.

"In der Konstruktion der A350-Modelle befindet sich das Kühlsystem für die Hydraulikflüssigkeit in den Treibstofftanks", schreibt die europäische Luftsicherheitsbehörde in der dringlichen Lufttüchtigkeitsanweisung. Die Hydraulikpumpe und die durch sie fließende Flüssigkeit können überhitzen. Normalerweise verhindert dann ein komplexes Sicherungssystem die Explosion durch Überhitzung. Wenn das Sicherungssystem allerdings defekt ist, droht "im betroffenen Tank eine Entzündung des Treibstoff-Luft-Gemisches".

Klaus Wolf, Professor für Luftfahrzeugtechnik an der TU Dresden, schätzt die Situation als nicht gravierend ein: "Es gibt täglich dutzende Warnungen von der EASA, eine Explosion ist ein hypothetischer Fall. Da müssen schon viele Dinge zusammenkommen." Wäre die Flugsicherheit gefährdet, würde es ein Flugverbot für die betroffenen A-350 geben.

Außerdem könne das Problem über ein Software-Update behoben werden, teilt Airbus mit. Die betroffenen Airlines seien informiert worden. Trotzdem hat der Flugzeughersteller angesichts der potenziellen Gefahrenlage die Master Minimum Equipment List (MMEL) der A350-900 überarbeitet. Liegen jetzt bestimmte Fehlermeldungen für das Hydrauliksystem vor, darf ein Flug nicht starten.





Das neue Airbusmodell A350 wurde erstmals im Dezember 2014 ausgeliefert. Weltweit gibt es aktuell 100 Flugzeuge seiner Art, die Betreiber wurden über den Fehler informiert. Vor allem an Qatar Airlines, Vietnam Airlines und Cathay Pacific Airways. Das größte deutsche Flugunternehmen Lufthansa hat als einziger deutscher Luftfahrtkonzern vier Maschinen des Typs A350. Diese seien aber bereits aus dem Verkehr gezogen, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Das Softwareupdate würde bereits vorgenommen. Zu Flugausfällen würde es nicht kommen.

Die Airbus-Aktie notierte am Vormittag kaum verändert.