Ein Experte erklärt, warum manche Menschen produktiver sind, wenn sie neben Kollegen arbeiten

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Produktivität am Arbeitsplatz und zu Hause ist angesichts der Pandemie zu einem hochaktuellen Thema geworden.
Produktivität am Arbeitsplatz und zu Hause ist angesichts der Pandemie zu einem hochaktuellen Thema geworden.

In Ländern, in denen Impfkampagnen das Covid-19-Risiko gesenkt haben, ist hybrides Arbeiten oder Vollzeitarbeit im Büro zunehmend wieder möglich und üblich – viele Denkarbeiter arbeiten aber nach wie vor aus dem Home Office. Wo sind Menschen produktiver? Aus einer aktuellen Studie dazu ergeben sich Erkenntnisse, die Arbeitgebern helfen können zu klären, wann die Anwesenheit im Büro wichtig ist – und wann eher nicht.

Jordi Blanes i Vidal ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Strategie an der London School of Economics. Sein Team hat herausgefunden, dass die Leistungsfähigkeit von Studienteilnehmern um zwei Prozent zugenommen hat, sobald sie in der Nähe oder sogar im selben Raum waren wie ihre Kollegen. In kritischen Situationen stieg ihre Effizienz ihm zufolge dann sogar um zehn Prozent, wie Blanes i Vidal im Gespräch mit Business Insider erklärte.

Zu diesem Ergebnis gelangten die Autoren durch die Beobachtung von Angestellten, die Notrufe bei der Polizei in Manchester entgegennehmen. In der Studie wurden zwei identische Teams untersucht, die Notrufe bearbeiteten. Das eine Team arbeitete in einem Raum zusammen, das andere nicht — auf diese Weise konnten die Autoren die Reaktionszeit der beiden Teams vergleichen.

In der Einsatzzentrale arbeiteten die Mitarbeiter in Zweierteams: Eine Person bearbeitete die Anrufe und gab die Details in das System ein, während die andere Person die Anfragen las und bearbeitete und die Streifenwagen zu den Einsatzorten schickte. Einige dieser Zweierteams arbeiteten von Angesicht zu Angesicht, andere wiederum nicht. Wichtig zu wissen: Der Informationsfluss zwischen diesen Teams erfolgte nicht wie in vielen Büros in viele Richtungen, sondern nur in eine Richtung.

Die Teams müssen nah beieinander sitzen, um effizienter zu arbeiten

"Der Telefonist ist die Person, die die Informationen verarbeiten muss. Falls es wirklich viel zu tun gibt, braucht er mehr Unterstützung. In diesem Fall ist es hilfreich, wenn der Sachbearbeiter nahe ist und um Hilfe gebeten werden kann", erklärt Blanes i Vidal das Ergebnis der Studie.

Es gebe aber keinen Grund zu der Annahme, dass die Remote-Arbeit grundsätzlich weniger effizient ist, wenn die Aufgabe nicht zeitkritisch oder komplex ist, so Blanes i Vidal. Wenn die Aufgabe nicht dringend ist, "funktioniert die elektronische Kommunikation mehr oder weniger gut, weil die Kommunikation nicht so präzise sein muss", fügte er hinzu.

Die Studie ergab außerdem, dass es nicht die bloße Anwesenheit im Büro ist, die zählt. Denn die Teams, die in getrennten Räumen des Büros saßen, verloren an Effizienz. Nur wenn sie möglichst nahe beieinander saßen, war der positive Effekt messbar. "Auf der anderen Seite des Raumes zu sein, kommt einem Aufenthalt auf der anderen Seite von Manchester gleich", so Blanes i Vidal.

Obwohl es sich bei dem untersuchten Arbeitgeber um eine öffentliche Behörde handelte, gelten dieselben Grundsätze auch für private Unternehmen. Denn sowohl öffentliche als auch private Organisationen "wollen ihre betriebliche Effizienz maximieren", sagt Blanes i Vidal. "Wo Entscheidungen relativ schnell getroffen werden müssen, ist die persönliche Kommunikation besonders wertvoll", ergänzte er. Der persönliche Austausch sei dann "gegenüber der elektronischen Kommunikation im Vorteil".

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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