Experience Points — die unbekannte Kryptowährung, die in 53 Wochen 13.700.000 % stieg

Motley Fool Investmentanalyst

Für den Kryptowährungsmarkt konnte ab dem 7. Januar 2018 ein weiteres Allzeithoch verzeichnet werden. Nachdem das Jahr 2016 mit einer Marktkapitalisierung von nur 17,7 Milliarden US-Dollar abgeschlossen wurde, vereinen sich die fast 1.400 Kryptowährungen, die ab diesem Zeitpunkt investierbar sind, zu einer Marktkapitalisierung von fast 836 Milliarden US-Dollar. Was einst in der Gesamtmarktkapitalisierung für digitale Währungen wie eine unerreichbare Marke von 1 Billion US-Dollar schien, sieht jetzt machbar aus.

Wie du vielleicht erraten hast, hat die weltweit populärste Kryptowährung Bitcoin eine entscheidende Rolle dabei gespielt, alle virtuellen Währungen in die Höhe zu treiben. Bitcoin ist die digitale Währung, die von Händlern rund um den Globus am ehesten akzeptiert wird, und sie ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Blockchain-Technologie in den Mainstream Einzug hält. Blockchain ist das digitale, verteilte und dezentrale Ledger, das alle Transaktionen erfasst, ohne dass ein Mittelsmann wie eine Bank benötigt wird.

Die anderen

Doch trotz der Marktkapitalisierung von über 300 Milliarden US-Dollar im Dezember 2017 gehört der Ruhm der letzten Wochen und Monate wirklich zu den anderen digitalen Währungen im Schatten von Bitcoin. Da Bitcoin schon so stark gestiegen ist, sind Kryptowährungsinvestoren auf der Suche nach dem „nächsten Bitcoin“. Diese Jagd hat mehr als eine Handvoll virtueller Coins hervorgebracht, die um mehr als 10.000 %, 100.000 % und in sehr seltenen Fällen um mehr als 1.000.000 % gestiegen sind.

Gelegentlich ergeben diese großen Bewegungen einen Sinn (ich benutze das Wort „einen“ hier sehr großzügig). Beispielsweise stieg Ripple in den 53 Wochen, beginnend mit 1. Januar 2017, um fast 50.000 % an. Die Ripple-Rallye stützt sich auf die angekündigten Partnerschaften mit den großen globalen Banken, die sich mitden Gerüchten über die inzwischen geplatzte Listung auf Coinbase erübrigt hat.

Ripple verkündete, dass sieben globale Banken im Juni 2016 dessen Blockchain-Technologie testen würden, aber erst im November 2017 wurde von American Express (WKN:850226) und Banco Santander (WKN:858872) ein echter grenzüberschreitender Zahlungstest durchgeführt. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden American-Express-Anwender in den USA, die Nichtkartenzahlungen an Santander-Konten in Großbritannien senden, diese Zahlungen über die Blockchain von Ripple abwickeln lassen. Angeblich werden diese Zahlungen sofort verarbeitet, was eine nette Verbesserung gegenüber der mehrtägigen Überprüfung wäre, die manchmal bei grenzüberschreitenden Zahlungen stattfindet.

Lerne die unbekannte Kryptowährung kennen, die in etwa einem Jahr 100 US-Dollar in 13,7 Millionen US-Dollar verwandelte

Nehmen wir Experience Points und seinen Coin (XP) als perfektes Beispiel. Am 31. Dezember 2016 hatten Experience Points laut CoinMarketCap.com praktisch kein Handelsvolumen und wurden mit nur 0,00000000044 US-Dollar bewertet. Wenn du jede einzelne verfügbare XP-Münze aufgerundet hast, dann hast du vielleicht genug gehabt, um dir ein wirklich schickes Apple MacBook zu kaufen.

In den letzten 53 Wochen haben sich die Dinge jedoch stark verändert. Am 5. Januar 2018, nach einer monumentalen Rallye im Dezember, erreichten die Experience Points einen Höchststand von 0,006031 US-Dollar und schickten ihre Marktkapitalisierung (kurzzeitig) auf über 1 Milliarde US-Dollar. Richtig, sechs Zehntel eines Penny klingt nicht gerade nach viel — aber es ist tatsächlich so, wenn deine Ausgangsbasis 0,00000000044 US-Dollar beträgt. Der Aufstieg der XP-Coins während dieser 53 Wochen waren bemerkenswerte 13.706.718 %.

Du magst dich vielleicht fragen, was eine virtuelle Währung, um 13.700.000 % innerhalb eines Jahres nach oben treibt. Die Antwort auf diese Frage ist etwas vage.

In den letzten Wochen gab es Aufregung über die Listung bzw. potentielle Listung von XP an neuen Börsen. Ein Neujahrs-Tweet kündigte die Aufnahme von XP in die neuseeländische Cryptopia-Börse bis Ende Januar 2018 an. Auf seiner Twitter-Seite hat Experience Points auch seine Anhänger stark ermutigt, für die Aufnahme von XP in den Binance-Kryptowährungsaustausch zu stimmen. Vermutlich könnten mehrere Nachrichten darüber, an neuen Börsen gelistet zu werden, das Interesse an der Geschichte von XP wecken.

Diese Geschichte könnte nicht stimmen

Abgesehen von potenziellen neuen Börsennotierungen  ist es schwierig, viel an Nachrichten zu finden, die es XP erlauben, sich von fast 1.400 anderen Kryptowährungen abzuheben und, was noch wichtiger ist, einen Wertzuwachs von 13,7 Millionen % zu verdienen.

Ein erwähnenswerter Aspekt ist, dass XP im dritten Quartal 2017 ein Upgrade in seiner Blockchain implementierte, das kleinere Stakeholder seiner Währung begünstigte. Experience Points basieren auf dem Proof-of-stake-Modell (PoS), das weitaus weniger energieintensiv ist als das traditionelle Proof-of-Work-Modell, bei dem Miner mit leistungsstarken Computern um die Lösung komplexer mathematischer Gleichungen und die Validierung von Transaktionen konkurrieren, und modifizierte seinen PoS-Algorithmus, um kleinere Interessengruppen gegenüber großen zu bevorzugen. Das ist in der Tat einzigartig, und es könnte Krypto-Enthusiasten ermutigen, sich einzukaufen.

Doch jenseits dieses faszinierenden Ansatzes für Stakeholder-Belohnungen hat XP bisher noch nicht viel erreicht. Das XP Reward System wird als das Rückgrat dieses Projekts beschrieben. Die Belohnung von Spielern für das Freischalten von Erfolgen, von Studenten für ihre Anwesenheit und gute Noten und von Athleten klingt gut und schön — bis wir in die eigentliche Anwendung kommen. Im Laufe des vierten Quartals hatte die Roadmap von Experience Points folgendes zu sagen: „[W]ir verzögerten die Entwicklung in diesem Bereich [XP Reward System], weil es viele programmatische Hindernisse zu überwinden gibt, da dies keine normale Entwicklung sein wird. Weitere Konzeptualisierungen sind im Gange.“

Obwohl das Team erwartet, eine XP Reward System Beta-Version „irgendwann im ersten Quartal 2018“ auf den Markt zu bringen, ist es nicht gerade ermutigend, dass die Kernkomponente von XP für das Entwicklungsteam so herausfordernd ist und scheinbar weiter hinter dem Zeitplan zurückbleibt.

Ich kann auch nicht behaupten, dass ich ein großer Fan der Art und Weise bin, wie der Experience Points Twitter-Account, der angeblich von einem Mitglied des Teams verwaltet wird, versucht, die Stimmen seiner Anhänger zu kaufen. Wie du oben sehen kannst, bietet Experience Points 2.500 XPs für eine Abstimmung über Binance und einen Bonus von 50 %, wenn es sich um die Währung handelt. Die Follower zu bestechen, um Maßnahmen zu ergreifen, passt ehrlich gesagt nicht in dieses Bild.

Mit einer interessanten Geschichte, aber wenig Substanz, um sie zu untermauern, kann sich der unglaubliche Lauf der Experience Points im Laufe der Zeit als flüchtig erweisen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple und Twitter. The Motley Fool hält die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple. The Motley Fool empfiehlt American Express.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 10.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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