Exotische Sumpfkrebse bringen Berliner zum Staunen

Roter Amerikanischer Sumpfkrebs

In Berlin werden seit einigen Tagen immer öfter ungewöhnlich große Krebse gesichtet. Es handele sich dabei um den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs, sagte am Donnerstag Dirk Ehlert, Wildtierexperte und Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt. "Wir haben gestern mit Helfern rund 50 Krebse im Bereich Tiergarten eingesammelt", sagte Ehlert. Weil die Tiere potenziell andere Arten gefährden, versucht die Behörde ihre Verbreitung einzudämmen.

Das etwa handtellergroße Schalentier fällt durch seine tiefrote Farbe, zwei großen Scheren und Dornen auf. Weil der Krebs in anderen Weltregionen auf dem Speiseplan steht, könnten die Tiere von Delikatessenhändlern aus Amerika importiert worden seien. "Oder sie wurden von ihren Haltern illegal ausgesetzt", sagte Ehlert.

Oliver Coleman, Krebsexperte am Berliner Naturkundemuseum, tippt auf Aquarienbesitzer. Viele Aquarianer schätzten die Krebse zunächst, "aber meist nicht sehr lange", sagte er. "Denn wenn sie eine Zeit lang im Aquarium leben, fressen sie alle Pflanzen an - und das Aquarium sieht nach kurzer Zeit ziemlich verwüstet aus."

Laut dem Experten Ehlert wurden die Krebse nicht nur im Tiergarten, sondern auch im Südwesten und Norden Berlins gesichtet. Auch in anderen Bundesländern sei der Sumpfkrebs inzwischen heimisch.

Zu sehen sind die Tiere meist nicht, weil sie in Teichen und Seen leben. Der Starkregen der vergangenen Wochen habe aber den Wasserstoffgehalt des Wasser abgesenkt und die Uferhöhlen der Tiere überspült. Das könne die derzeit zu beobachtende Wanderschaft der Krebse durch Berlin erklären, sagte Ehlert.

Weil die Tiere auch Träger von Bakterien sind, gefährden sie möglicherweise andere Arten, etwa Lurche und weitere Amphibien. Dagegen sei die Gefahr einer Verdrängung anderer Berliner Krebse relativ, sagte Ehlert. "In Berlin leben sonst zumeist Flusskrebse, die selbst erst vor hundert Jahren aus Amerika gekommen sind."

Um die Ausbreitung der Sumpfkrebse zu verhindern, lässt die Behörde vereinzelt Tiere einsammeln. "Wir setzen aber vor allem auf die natürlichen Feinde der Krebse", sagte Ehlert. Füchse und Waschbären verspeisen demnach wandernde Krebse. "Im Tiergarten haben wir hunderte Jungaale ausgesetzt, die die Krebse fressen, wenn sie sich häuten und besonders weich sind."

Berliner Bürger dürfen die Tiere dagegen nicht einfach aufheben und auf den heimischen Grill legen. "Das Fangen von Wildtieren ist nicht erlaubt", sagte Ehlert. In Berlin zählt die EU derzeit neun invasive Arten, die das natürliche Gleichgewicht stören. Neben vier Krebsarten sind das die Rotwangen-Schmuckschildkröte, ein Fisch namens Blaubandbärbling und die Säugetiere Nutria und Waschbär.