Exklusiv: Opel in Rüsselsheim stellt die Produktion seines Topmodells Insignia noch dieses Jahr ein

Insignia-Vormontage bei Opel in Rüsselsheim: Ein Werker bereitet das Cockpit zum Einbau vor. - Copyright: Opel
Insignia-Vormontage bei Opel in Rüsselsheim: Ein Werker bereitet das Cockpit zum Einbau vor. - Copyright: Opel

Fanal in Rüsselsheim: In seinem hessischen Stammwerk wird der Autohersteller Opel die Produktion seines Flaggschiffs Insignia noch vor Jahresende einstellen. Dies erfuhr Business Insider aus Kreisen von Zulieferern des zum Stellantis-Konzern gehörenden Traditionsunternehmens.

Auf Anfrage bestätigte ein Opel-Sprecher die Informationen: „Als Folge der CO2-Vorgaben und des Fokus’ auf den schnellen Hochlauf der drei neuen Multi-Energy-Modelle in Rüsselsheim wird die Insignia-Produktion dieses Jahr auslaufen.“ Mit dem Modell-Trio gemeint sind die Opel-Fahrzeuge Astra und Astra Sports Tourer sowie der ebenfalls am Sitz der Zentrale gebaute DS4 der französischen Schwestermarke DS Automobiles.

Wie Business Insider von Opel-Geschäftspartnern bestätigt wurde, arbeitet das Label mit dem Blitz im Logo mit Hochdruck an einem neuen Modell im Insignia-Segment, das im auch dort schärfer werdenden Wettbewerb unter anderem eine Elektrifizierung bieten wird.

Über ihr scheint schon die Abendsonne: Insignia-Limousine in der sportiven Topversion GSi. - Copyright: Opel
Über ihr scheint schon die Abendsonne: Insignia-Limousine in der sportiven Topversion GSi. - Copyright: Opel

Diese Informationen wiederum kommentierte der Sprecher mit den Worten: „Opel treibt den Wandel zur reinen Elektromarke bis 2028 voran und bereitet die Markteinführung mehrerer hochmoderner Elektromodelle vor, dazu gehört auch ein zukünftiges elektrisches Flaggschiff.“

Unter dem Ausphasen des Insignia soll die Auslastung am Standort nicht leiden. Opel wird damit die Komplexität vermindern und so einen nochmals schnelleren Hochlauf der gefragten Kompaktfamilie Astra ermöglichen.

Angesprochen auf die genannten Vorhaben, erklärte der Sprecher: „Unser Ziel ist es, das Werk mit der Produktion von Astra, Astra Sports Tourer und DS4 voll auszulasten.“ Der nahende Stopp des Insignia, der auf einer nicht elektrifizierbaren Plattform steht, befeuere ein rascheres Stärken der Astra-Kapazität.

Absehbar weiter sinkende Nachfrage

Hintergrund dieser Zusammenhänge: Als einziges Fahrzeug im Programm der Rüsselsheimer nutzt die Insignia-Reihe noch eine technische Basis von General Motors (GM). Der einstige Opel-Mutterkonzern aus den USA hatte das deutsche Unternehmen 2017 an die französische Groupe PSA transferiert.

Diese wiederum verband sich im Januar 2021 mit dem Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) zur Holding Stellantis. Nach verlustreichen Jahren als GM-Tochter arbeitet Opel seit Jahren wieder profitabel. Auf dem Heimatmarkt Deutschland etwa ist der Blitz-Typ Corsa der meistverkaufte Kleinwagen.

Das geräumige Mittelklassemodell Insignia hatte Opel 2008 als Nachfolger von Vectra und Signum eingeführt. Die aktuelle Generation läuft seit gut fünf Jahren als Grand Sport genannte Limousine und in der Kombiversion Sports Tourer von Band.

Für eine Elektrifizierung war die Insignia-Architektur von GM nicht vorgesehen worden. Daher ist das Auto zusammen mit Opels kleinem SUV Crossland eines der letzten beiden Modelle der Rüsselsheimer, das keinen E-Baustein aufweist oder gar – wie optional etwa der Corsa und Mokka – rein elektrisch fährt.

Bis zur Markteinführung eines Insignia-Nachfolgers, die 2024/ 2025 zu erwarten sein dürfte, wird somit das große Opel-SUV Grandland die stattlichste Erscheinung im Portfolio sein. Als Hybrid mit elektrischem Vierradantrieb bietet der Fünfsitzer stolze 300 PS Systemleistung.

Im Werk Rüsselsheim mit seinen rund 2000 Beschäftigten waren im Geschäftsjahr 2021 rund 20.000 Insignia-Einheiten entstanden. Da sich die Baureihe dem Ende ihres Lebenszyklus von üblicherweise sieben Jahren nähert, muss Opel mit einer weiter abnehmenden Nachfrage rechnen.

Neuer Markenchef am Flaggschiff in spe: Opel-Lenker Florian Huettl mit dem SUV Grandland. - Copyright: Opel
Neuer Markenchef am Flaggschiff in spe: Opel-Lenker Florian Huettl mit dem SUV Grandland. - Copyright: Opel

Auch die Konkurrenz streicht Modelle

Hinzu kommt, dass das in der Branche als „D“ bezeichnete Insignia-Segment seit geraumer Zeit in vielen Absatzregionen an Beliebtheit verliert. Opels Wolfsburger Wettbewerber VW hat das Volumenmodell Passat als Limousine in Europa bereits gestrichen. Der französische Rivale Renault nahm den vergleichbaren Talisman aus der Palette, Opel-Konkurrent Ford den Mondeo.

Bei der Hinwendung zu profitableren Modellen befindet sich Opel in guter Gesellschaft – auch der Stuttgarter Premiumhersteller Mercedes-Benz nimmt Abschied von weniger einträglichen Modellen und will sich verstärkt den besonders margenstarken Segmenten widmen.

Opel wird das mit einem den Zeitgeist treffenden Fahrzeug potenziell durchaus lukrative D-Segment nicht aufgeben: „Wir arbeiten intensiv am Nachfolger des Insignia, der elektrifiziert sein wird", hob der Sprecher hervor. Die dafür vorgesehene Fabrik sowie den konkreten Zeitpunkt der Markteinführung nannte er nicht.

Mit Blick auf die Beschäftigten am Standort Rüsselsheim hatte er trotz des baldigen Aus’ beim Insignia positive Prognosen parat: „Die verbleibenden Modelle sind allesamt elektrifiziert und werden für eine ausgezeichnete Auslastung des Werks sorgen.“ Die Stammfabrik fährt Opel bereits wieder im Zweischichtbetrieb.

Opel, das seit Juni dieses Jahres unter der Führung von Florian Huettl steht, verkauft derzeit ein Dutzend elektrifizierter Fahrzeuge und deckt damit ein Spektrum vom Mini-Zweisitzer Rocks-e bis hin zum Van Movano-e ab.

Lademeister – nur nicht an der Stromladesäule: Geräumige Insignia-Kombiversion Sports Tourer. - Copyright: Opel
Lademeister – nur nicht an der Stromladesäule: Geräumige Insignia-Kombiversion Sports Tourer. - Copyright: Opel

In zwei Jahren sollten für alle Modelle aus dem Hause Opel, das seit nunmehr 160 Jahren besteht, ein Hybrid- oder rein batterieelektrischer Antrieb im Angebot sein.
Von 2028 an wird Opel – die einzige deutsche Marke im 14 Label umfassenden Stellantis-Verbund, den Carlos Tavares steuert – in Europa ausschließlich batterieelektrisch motorisierte Autos offerieren.

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