Exklusiv: Hans-Olaf Henkel will Trump überraschen und kritisiert „gewaltigen Fehler“ von Merkel bei Brexit

Florian Söllner
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Exklusiv: Hans-Olaf Henkel will Trump überraschen und kritisiert „gewaltigen Fehler“ von Merkel bei Brexit

Hans-Olaf Henkel spricht im AKTIONÄR-Interview Klartext. Henkel war Chef von IBM Europa und bis Ende 2000 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Der Vater von vier Kindern hat ein grünes Herz ("Ökomanager des Jahres") und ist Mitglied bei Amnesty International. Henkel wurde im Mai 2014 ins Europäische Parlament gewählt und ist mittlerweile Mitglied der neuen Partei LKR.

Herr Henkel, droht ein Handelskrieg mit den USA?

Ich kann mir das kaum vorstellen, das wäre eine lose/lose-Situation. Brüssel sollte den Spieß umdrehen, die Flucht nach vorn wagen und Trump jetzt den sofortigen Abbau aller Zölle zwischen den U.S.A. und der EU vorschlagen. Dann wäre der Streit darüber, wer diskriminiert wen, sofort erledigt!

Andere Baustelle: Sie versuchen, eine Versöhnung zwischen Großbritannien und der EU einzuleiten.

Ja, ich hoffe, dass sich die EU aufrafft, den Briten doch noch ein neues Angebot macht, um die „Remainers“ im Lande zu unterstützen. Immerhin denken inzwischen die meisten anderen EU-Länder heute so wie David Cameron damals und sind selbst für mehr Autonomie, wenn es darum geht, unter welchen Bedingungen Zuwanderer ins eigene Land gelassen werden. Deshalb haben wir die Initiative „A New Deal for Britain“ gegründet! (www.new-deal-for-Britain.eu)

Wieso kam es eigentlich zum Bruch?

Die Trennung vollzog sich in drei Phasen. Phase eins war die zunehmende Tendenz Brüssels zu immer „mehr Europa“. Merkel und EU-Präsident Juncker waren die Hauptverantwortlichen für die permanente Ausweitung Brüsseler Kompetenzen. In der Phase zwei verweigerten diese beiden dann Cameron die von ihm angestrebten zusätzlichen Kompetenzen über die Einwanderung von EU-Bürgern auf die Insel. Die dritte Phase begann mit dem 5. September 2015, dem Öffnen der deutschen Schleusentore für Hunderttausende von Flüchtlingen. Das war der letzte Sargnagel für die britische Mitgliedschaft in der EU!

Hat Angela Merkel das aus Ihrer Sicht beabsichtigt – oder die Auswirkungen ihrer Politik doch nicht „vom Ende her gedacht“?

Weder das eine noch das andere. Sie hat einen gewaltigen Fehler gemacht, der nicht nur Deutschlands Bevölkerung verändern wird. Sie hat damit auch die AfD gerettet, die nach dem Aderlass von ihren liberalen Professoren und Tausenden gleichgesinnten Mitgliedern in den Umfragen dem Schicksal der Piraten entgegensah. Das Schlimmste: Merkel's Politik hat die Briten aus der EU getrieben!

Wie schätzen Sie die Lage der europäischen Banken zehn Jahre nach der Finanzkrise ein?

Ich sehe zwei große Herausforderungen für die deutschen Banken: zum einen die Gefahr, dass die Einlagen deutscher Sparer bei deutschen Volksbanken, Spar-und Raiffeiseninstituten zum Risikoausgleich für das Gezocke großer deutscher, französischer und anderer südländischer Banken herhalten muss und zum anderen, dass die Digitalisierung deren Geschäftsmodell schneller zerstört als deren Fähigkeit ein neues zu finden.

Wird sich die Autobranche gegen Tesla und Co behaupten?

Mobilität wird weiterhin gefragt sein. Die Frage stellt sich aber auch, wie schnell der Verbrennungsmotor und der Individualverkehr von anderen Antrieben und vom Öffentlichen Verkehr abgelöst werden. Ich glaube dass beides sehr viel langsamer passieren wird als heute angenommen. Nehmen Sie die waghalsige Ankündigung Merkels, im Jahre 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, als ein Beispiel!  Wieviel haben wir heute? Keine 100.000! Im Übrigen habe ich mehr Vertrauen in BMW, VW und Mercedes als in Tesla!

Glauben Sie, dass der Euro seine Stärke behält – oder ist eine hohe  Inflation absehbar?

Stärke? Ja, aus der Sicht der Italiener oder der Franzosen ist er stark, meist zu stark, aber aus deutscher Sicht ist er doch viel zu schwach! Der deutsche Steuerzahler, der deutsche Sparer beziehungsweise deren Kinder müssen aber die finanziellen Folgen eines aus südländischer oder französischer Sicht viel zu starken Euro irgendwann einmal tragen.

 Das komplette Interview lesen Sie in der ab nächster Woche erscheinenden AKTIONÄR-Ausgabe 15/2018.