Ex-VW-Chef Winterkorn war angeblich bereits 2007 in Abgasmanipulation eingeweiht

Ein Bericht belastet den früheren VW-Chef im Dieselskandal. Winterkorn war demnach bereits früh über die Manipulationspläne im Konzern informiert.


Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn könnte bereits 2007 über die Abgasmanipulation im Konzern informiert gewesen sein. Das berichtet das Magazin „Der Spiegel“ vorab am Freitag unter Berufung auf Zeugenaussagen in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Laut dem Bericht habe es im November 2007 eine Sitzung unter Beteiligung Winterkorns und anderer Manager gegeben. Bei dieser sei besprochen worden, wie ein neuer Dieselmotor umgerüstet werden könnte, um die US-Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten.

Es handle sich um den Motor, den die US-Behörden schließlich zum Anlass für milliardenschwere Strafzahlungen nahmen. Zwei VW-Ingenieure hätten auf der Sitzung mögliche technische Lösungen präsentiert. Der Bericht bestätigt Rechercheergebnisse des Handelsblatts, das im Juni über die fragliche Präsentation berichtet hatte.


Volkswagen wollte gegenüber dem „Spiegel“ Aussagen einzelner Zeugen nicht kommentieren. Winterkorns Anwalt Felix Dörr erklärte: „Herr Winterkorn schließt aus, dass bei einem Treffen 2007 in seiner Gegenwart etwas vorgetragen worden wäre, das auf mögliche Manipulationen von Abgaswerten durch Software-Einsatz hingedeutet hätte.“

Volkswagen hat bisher immer behauptet, die Konzernführung sei erst am 18. September 2015 durch die Ermittlungen der US-Behörden über die Abgasmanipulation informiert worden. Kürzlich hatten die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR berichtet, dass Mitarbeiter die Manager bereits mehrere Tage zuvor über das Ausmaß des Skandal gewarnt haben sollen.

Angesichts der Dieselaffäre drohen Winterkorn Schadenersatzansprüche von VW, sollten ihm Pflichtverletzungen nachgewiesen werden. Im Abgasskandal wird gegen ihn wie auch gegen den neuen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen möglicher Marktmanipulation ermittelt, gegen Winterkorn zusätzlich auch wegen Betrugs.

Er war am 23. September 2015 von seinem Amt zurückgetreten, kurz nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten.