Ex-Vorsitzender der Berliner AfD teilte Mordaufruf an Merkel in weiterem Facebook-Chat

Josh Groeneveld
·Lesedauer: 4 Min.
Der damalige Berliner AfD-Chef Günter Brinker auf einer Wahlparty seiner Partei im März 2016
Der damalige Berliner AfD-Chef Günter Brinker auf einer Wahlparty seiner Partei im März 2016

Der frühere Berliner AfD-Chef Günter Brinker, Ehemann der heutigen Landesvorsitzenden Kirstin Brinker, hat einen Mordaufruf an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter verbreitet als bisher bekannt.

Vergangene Woche hatte Business Insider berichtet, dass Brinker spät in der Nacht auf Freitag einen Mordaufruf an der Kanzlerin aus unbestimmter Quelle in einen internen Facebook-Chat der AfD Berlin gepostet hatte. In dem Post heißt es wörtlich: "Was da abgeht ist eine bodenlose Frechheit, das die Merkel Drecksau überhaupt noch lebt wunder mich sehr. Ich denke das Stück Dreck ist so beschützt das keiner dazu kommt, oder die Deutschen haben keine Eier?" Business Insider liegt ein Screenshot vor.

Brinker behauptete auf Anfrage, das Weiterleiten in den AfD-internen Chat sei ein Versehen gewesen. Er habe die Nachricht löschen wollen, sei aber technisch nicht sehr versiert und sei "auf den falschen Knopf gekommen". Etwa neun Stunden lang war der Mordaufruf gegen Merkel im AfD-Chat zu lesen, erst dann wurde er gelöscht. Im Gespräch mit Business Insider distanzierte sich Brinker am Freitag von dem Inhalt des Posts.

Nun liegt Business Insider jedoch ein weiterer Screenshot vor. Er stammt aus einem zweiten internen Facebook-Chat von Berliner AfD-Leuten – und auch in diesen hat Günter Brinker den Mordaufruf an Kanzlerin Merkel weitergeleitet. Brinker tat das in der Nacht zum Freitag um 01.12 Uhr — eine Minute, bevor er den Post in den anderen Chat weiterleitete, über den Business Insider zuvor berichtet hatte. Während Brinkers Weiterleitung im ersten Chat unkommentiert blieb, ist im Screenshot aus der zweiten Chatgruppe eine Antwort einer Userin zu sehen: "Vorsicht wurde schon 3 mal gesperrt hier obwohl ich nur die Wahrheit sagte!!!"

Brinker über doppelt weitergeleiteten Mordaufruf an Merkel: "Habe den Überblick verloren"

Auf Anfrage von Business Insider am Montag behauptete Brinker, es habe sich auch bei der zweiten Weiterleitung um ein Versehen gehandelt: "Ich habe den Überblick verloren." Er habe die Nachricht mit dem Mordaufruf an Merkel am Freitag bekommen und diese löschen wollen. Eine andere "interessante politische Nachricht" habe er in die beiden AfD-Chats weiterleiten wollen. Aber Brinker leitete den Mordaufruf weiter.

Von wem die Nachricht mit dem Mordaufruf an der Kanzlerin kam, wisse er nicht, sagte Brinker. "Ich kann nicht mehr, als mich total davon zu distanzieren und mich zu entschuldigen." Auch die Berliner AfD-Chefin Kirstin Brinker sagte auf Anfrage von Business Insider am Montag, es habe sich bei beiden Weiterleitungen um ein Versehen ihres Ehemannes gehandelt. "Von dem Inhalt des Posts distanzier ich mich total, das ist ekelhaft und widerlich."

Fragwürdig an Günter Brinkers Version des doppelten Versehens ist: Der Löschbutton für eine Nachricht bei Facebook befindet sich an anderer Stelle, als der zum Weiterleiten. Zum Weiterleiten sind zudem zwei Klicks nötig. Erst muss ein Post zum Weiterleiten ausgewählt werden, dann muss gezielt ein Chat ausgewählt werden, in den der Post weitergeleitet werden soll. In der Nacht zum vergangenen Freitag führte Brinker diese Schritte also zweimal durch, leitete den Mordaufruf an Merkel zweimal in zwei verschiedene Chats weiter. Am Freitag hatte er im Gespräch mit Business Insider nur davon geredet, den Post einmal weitergeleitet zu haben — die zweite Weiterleitung verschwieg Brinker.

Weitergeleiteter Mordaufruf wird Thema im AfD-Bundesvorstand

Der von Brinker weitergeleitete Mordaufruf an der Bundeskanzlerin wurde schon am Freitag auf die Tagesordnung des Berliner AfD-Landesvorstandes gesetzt. Nach Informationen von Business Insider wird sich auch die Arbeitsgruppe Verfassungsschutz des AfD-Bundesvorstands in ihrer nächsten Sitzung damit befassen. Sie wird dann eine Empfehlung an den Bundesvorstand geben, wie mit dem Vorfall und Brinker zu verfahren sei.

Der AfD-Mann wird ohnehin nicht das erste Mal mit fragwürdigen Einlässen in internen Chats auffällig. Business Insider liegen Screenshots von Chatnachrichten vor, in denen er Berliner AfD-Funktionäre als „dreckige ekelhafte Looser (sic!) und Widerlinge“ und „Verräter“ bezeichnet. In zwei Fällen droht Brinker den Adressaten. „Jeder Verräter bekommt sein Karma. Das Pendel schlägt bald auch bei dir zu“, heißt es in einer Nachricht. In einer anderen (sic!): „Auch für dich werden ihr ihre Verräter sehr harte Strafen zurecht kriegen. Du bist mit dabei!!!!!!! Es wird Zeit!!!!!!!!!!!!!“ Der letzten Nachricht sind ein Emoji eines dunkelhäutigen Mannes sowie einer Frau mit Kopftuch beigefügt.