Ex-Staatschef Piñera bei Präsidentschaftswahl in Chile in Führung

Der konservative Ex-Staatschef Piñera hat die Präsidentschaftswahl in Chile gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam er auf 36,6 Prozent und muss nun in die Stichwahl mit dem Mitte-links-Kandidaten Guillier

Der konservative Geschäftsmann Sebastián Piñera hat die Präsidentschaftswahl in Chile gewonnen, die absolute Mehrheit allerdings verfehlt. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen kam der 67-jährige Ex-Staatschef auf 36,6 Prozent der Stimmen. An zweiter Stelle lag der vom regierenden Mitte-links-Bündnis unterstützte unabhängige Kandidat Alejandro Guillier mit 22,6 Prozent. Die beiden Politiker treten am 17. Dezember in einer Stichwahl gegeneinander an.

Überraschend knapp hinter Guillier rückte an die dritte Stelle die Kandidatin des linksextremen Bündnisses Frente Amplio, Beatriz Sánchez. Auf sie entfielen laut Wahlbehörde 20,3 Prozent der Stimmen. Auch der rechtsextreme Kandidat José Antonio Kast erreichte mit 7,9 Prozent der Stimmen mehr als in den Umfragen vorhergesagt. Insgesamt bewarben sich sechs Männer und zwei Frauen für das höchste Amt im Staat.

Der Milliardär Piñera, der schon einmal von 2010 bis 2014 an Chiles Staatsspitze stand, trat für das Rechtsbündnis Chile vamos (etwa: Chile vorwärts) an. Im Wahlkampf präsentierte er sich als "Kandidat der Einheit und der Mittelklasse" und ging auf Distanz zur Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973 bis 1990), der unter Chiles Rechten noch immer viele Bewunderer zählt. Nach den Regierungsjahren der linksgerichteten Präsidentin Michelle Bachelet strebt Piñera eine wirtschaftsfreundliche Neuausrichtung von Chiles Politik an.

Der 64-jährige Senator und frühere Fernsehjournalist Guillier warb für die Fortsetzung der unter Bachelet in ihrer zweiten Amtszeit eingeleiteten gesellschaftspolitischen Reformen in dem konservativ geprägten Land. Die Präsidentin hatte zuletzt unter anderem eine Lockerung des jahrzehntelangen strikten Abtreibungsverbots durchgesetzt und einen Gesetzentwurf zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen vorgelegt.

Bei ihrer Stimmenabgabe in der Hauptstadt Santiago de Chile warb Bachelet am Sonntag für eine massive Teilnahme an dem Urnengang. Experten rechneten allerdings mit einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 40 Prozent.

Bachelet war von 2006 bis 2010 Präsidentin, bevor sie von Piñera abgelöst wurde. Die chilenische Verfassung verbietet zwei aufeinanderfolgende Mandate, nicht aber eine Wiederwahl nach einer Pause von mindestens einer Amtszeit.

Die 14,3 Millionen Stimmberechtigten waren außerdem dazu aufgerufen, die Abgeordneten des Unterhauses und die Hälfte der Senatoren neu zu bestimmen. Umfragen zufolge dürfte das rechte Lager in beiden Kammern zulegen, die absolute Mehrheit aber verfehlen.