Ex-Präsident von Honduras an die USA ausgeliefert

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Hernàndez (2. v. rechts) wird zum Flugzeug der US-Antidrogenbehörde geführt (AFP/Orlando SIERRA) (Orlando SIERRA)

Der honduranische Ex-Präsident Juan Orlando Hernández ist an die USA ausgeliefert worden. Ein Flugzeug der US-Antidrogenbehörde hob am Donnerstag mit dem 53-Jährigen an Bord in Tegucigalpa ab, um den wegen Verwicklung in den internationalen Drogenhandel beschuldigten Politiker in die USA zu bringen, wie AFP-Journalisten berichteten. Hernández soll noch am Freitag in New York einem Richter vorgeführt werden.

Nach einem Zwischenstopp in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida sollte die Maschine mit Hernández an Bord nach New York weiterfliegen. US-Justizminister Merrick Garland warf Hernández am Donnerstag vor, "sein Amt als Präsident von Honduras von 2014 bis 2022 missbraucht zu haben, um das Land als Drogenstaat zu betreiben", sagte Garland vor Journalisten.

In einer von Staatsanwälten in New York vorgelegten Anklageschrift werden Hernández in drei Punkten Drogen- und Waffendelikte vorgeworfen. Ihm droht im Fall einer Verurteilung lebenslange Haft.

Der 53-jährige Hernández hatte sich Mitte Februar der Polizei gestellt, nachdem ein Richter Haftbefehl wegen eines Auslieferungsersuchens der USA erlassen hatte. Mitte März genehmigte der Oberste Gerichtshof die Auslieferung. Ein Einspruch des Ex-Präsidenten gegen die Entscheidung wurde später abgelehnt.

Hernández war erst Ende Januar aus dem Amt geschieden. Er soll seit 2004 und damit schon vor seiner Präsidentschaft mit internationalen Drogenhändlern zusammengearbeitet haben und so den Schmuggel von mindestens 500 Tonnen Kokain - überwiegend aus Kolumbien und Venezuela - in die USA ermöglicht haben. Im Gegenzug soll er "Millionen Dollar an Schmiergeldern von zahlreichen Drogenschmuggel-Vereinigungen in Honduras, Mexiko und anderen Ländern" erhalten haben, wie es in Dokumenten der US-Botschaft heißt.

Hernández weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als Teil eines Racheplans von Drogenbaronen, die seine eigene Regierung an die USA ausgeliefert habe.

In den USA festgenommene Drogenhändler hatten ausgesagt, engen Vertrauten des früheren Staatschefs Schmiergeld gezahlt zu haben. Ein mutmaßlicher Komplize von Hernández wurde im Februar in den USA wegen Kokainschmuggels zu lebenslanger Haft und rund 151 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) Geldstrafe verurteilt.

Der Bruder des Ex-Präsidenten, der ehemalige honduranische Abgeordnete Tony Hernández, war im März 2021 in den USA wegen Drogenhandels zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

In dem Prozess hatte die US-Staatsanwaltschaft erklärt, der damalige Präsident habe Millionen von Dollar an Bestechungsgeldern von Drogenhändlern wie dem früheren Boss des mexikanischen Sinaloa-Kartells, Joaquín "El Chapo" Guzmán, erhalten. Ex-Präsident Hernández wurde in dem Prozess als "Mitverschwörer" seines Bruders bezeichnet. Auch in zwei weiteren US-Prozessen gegen honduranische Drogenhändler kam Hernández' mutmaßliche Rolle beim Drogenschmuggel in die USA zur Sprache.

ck/isd

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