Ex-Polizist der argentinischen Militärdiktatur wird in den Hausarrest verlegt

Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Ex-Polizeichef aus der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) in Argentinien darf seine Strafe künftig im Hausarrest verbüßen. Das entschied ein Bundesgericht in dem südamerikanischen Land am Mittwoch (Ortszeit). Der 88-jährige Miguel Etchecolatz werde wegen seines hohen Alters und gesundheitlicher Probleme in den Hausarrest verlegt.

Die Anwälte von Etchecolatz hatten argumentiert, dass ihr Mandant der älteste Häftling in einer staatlichen Strafvollzugsanstalt sei. Angesichts seines Alters und verschiedener Krankheiten erfülle er die Kriterien, um in den Hausarrest verlegt zu werden.

Etchecolatz war während der Militärdiktatur die rechte Hand des Polizeichefs der Provinz Buenos Aires, des Generals Ramón Camps. Zwischen März 1976 und Ende 1977 war Etchecolatz für 21 Geheimgefängnisse in der Region zuständig. Eines der von ihm befehligten Kommandos war verantwortlich für die Entführung einer Gruppe von Schülern zwischen 14 und 17 Jahren im September 1976. Nur vier der Schüler überlebten.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen verschwanden während der Militärdiktatur in Argentinien 30.000 Menschen. Die Organisationen kämpfen dafür, dass die verurteilten Täter ihre Strafen im Gefängnis und nicht im Hausarrest verbüßen.

Etchecolatz habe sich "am Völkermord beteiligt", erklärte der Verband der Söhne der Verschwundenen (Hijos de desaparecidos) im Kurzbotschaftendienst Twitter nach dem Urteil vom Mittwoch. Er gehöre lebenslänglich hinter Gitter.