Ex-NFL-Profi will GFL aufmischen: "Ziel ist Gewinn des German Bowl"

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Ex-NFL-Profi will GFL aufmischen: "Ziel ist Gewinn des German Bowl"
Ex-NFL-Profi will GFL aufmischen: "Ziel ist Gewinn des German Bowl"

Der Name Moritz Böhringer wird für immer in der Geschichte der NFL verankert sein.

Der Stuttgarter wurde im NFL-Draft 2016 von den Minnesota Vikings gepickt - als erster nicht-amerikanischer Footballer, ohne vorher ein US-College besucht zu haben. 2017 folgte der Wechsel zu den Cincinnati Bengals. Doch die große NFL-Karriere blieb dem deutschen Footballer verwehrt.

Nun ist "MoBo" - wie er von den Amerikanern von Beginn an genannt wurde, weil sie sich mit dem deutschen Ö schwertun - zurück in Deutschland. Der 27-Jährige hat sich dazu entschlossen, den Traum vom NFL-Profi aufzugeben und beginnt bei den Schwäbisch Hall Unicorns in der GFL ein neues Kapitel.

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Im Interview mit SPORT1 erklärt Böhringer seine Entscheidung, zieht ein Fazit aus seiner Zeit in der NFL und blickt auf das Abenteuer GFL.

Böhringer blickt auf NFL-Zeit zurück

SPORT1: Sie sind damals beim Draft als erster nicht-amerikanischer Footballer gepickt worden und das, obwohl Sie vorher nie auf einem College waren. Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer NFL-Zeit?

Moritz Böhringer: Ein Highlight war auf jeden Fall, überhaupt gedraftet zu werden und das eben ohne College-Abschluss. Wenn man gecuttet wird, ist das natürlich ein Tiefpunkt. Aber das gehört dazu - ich würde es auf jeden Fall nochmal machen.

SPORT1: Gab es denn Menschen, die Ihnen abgeraten haben? Oder waren alle dafür, dass Sie es durchziehen?

Böhringer: Ich hatte eigentlich nie etwas zu verlieren. Ich bin rübergegangen, als ich Semesterferien hatte. Mit meinem Draft habe ich damals ein Zwischenziel erreicht. Es war auf jeden Fall verrückt!

SPORT1: Sie sagen also, Sie würden es wieder machen. Gibt es Sachen, die Sie heute anders machen würden? (Alles Wichtige zur GFL)

Böhringer: Das ist schwer zu sagen. Am besten wäre es gewesen, wenn ich mehr Erfahrung gehabt hätte. Also sowohl Erfahrung als Spieler als auch Lebenserfahrung. Aber die muss man eben erst machen.

Misserfolg mit Bengals? "Verlieren ist nie cool"

SPORT1: Gab es Episoden, in denen Sie Heimweh hatten?

Böhringer: In meinem letzten Jahr hatte ich ein bisschen Heimweh. Da hatten wir Pause. Dann war es langweilig und man hatte viel Zeit zum Nachdenken.

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SPORT1: Haben Sie in dieser Zeit vielleicht etwas Neues für sich entdeckt?

Böhringer: Ich habe angefangen spanisch zu lernen. Viele Menschen sprechen diese Sprache und deswegen wollte ich sie auch lernen. Ich übe immer noch jeden Tag ein paar Minuten.

SPORT1: Wie war der sportliche Misserfolg 2019 mit den Bengals für Sie?

Böhringer: Das spürt man schon. Auch wenn ich selbst nicht gespielt habe, ist die Stimmung natürlich für jeden im Keller gewesen. Es waren ja auch viele knappe Niederlagen dabei. Wir waren oft nah dran, aber es hat nie geklappt. Verlieren ist nie cool. (Ergebnisse und Spielplan der NFL)

SPORT1: Hat Sie in dieser Zeit jemand besonders aufgebaut?

Böhringer: Ich habe meine Mutter ein paar Mal angerufen. Aber ich war jetzt nicht wirklich deprimiert. Du versuchst, in der nächsten Woche wieder zu gewinnen. Da liegt der Fokus drauf. Und dann hatte ich auch keine große Zeit, um dem Ganzen großartig nachzutrauern.

Böhringer kehrt zu Schwäbisch Hall Unicorns zurück

SPORT1: Jetzt spielen Sie ja wieder hier in Deutschland bei den Schwäbisch Hall Unicorns. Was hat dazu geführt, dorthin zurückzukehren, wo alles angefangen hat? Wieso sind Sie gerade zu diesem kleineren Verein gewechselt?

Böhringer: Ich wollte einfach noch ein bisschen Football spielen. Es hat früher schon viel Spaß dort gemacht. Die Leute dort sind cool und der Coach auch. Deswegen bin ich auch dort hin gewechselt, um auch nicht zu riskieren, dass ich mich vielleicht doch unwohl fühle.

SPORT1: Sind noch ein paar alte Teamkollegen dort?

Böhringer: Nicht viele, aber vier oder fünf schon. Bei den Unicorns hat sich nicht gravierend viel geändert. Es ist alles ein bisschen strukturierter geworden und mehr auch nicht.

SPORT1: Sie haben aus der NFL viel Erfahrung auf Topniveau sammeln können. In der deutschen Liga gibt es noch viele, die das nicht vorweisen können. Wie ist das für Sie? Bringen Sie da viel eigenen Input mit, welcher dann dem Team hilft?

Böhringer: Ich würde sagen, es hilft schon, mehr Erfahrung zu haben. Aber man muss schon differenzieren. Das ist nicht die NFL, kein professioneller Beruf, sondern ein Hobby.

SPORT1: Wie ist das, wenn der Pass mal ungenau kommt oder wenn jemand nicht so gut spielt, wie Sie das gerne hätten? Muss man sich dann vielleicht auch mal auf die Zähne beißen, um keinen Anschiss zu verteilen?

Böhringer: Bis jetzt kam das zum Glück noch nie vor. Aber es wird interessant, wie es ist, wenn wir mal in einem knappen Spiel sind und es nicht so läuft. Aber ich erwarte auch nicht, dass sie auf NFL-Niveau spielen.

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Böhringer: Will German Bowl gewinnen

SPORT1: Wie ist diese neue Aufgabe in der GFL für Sie? Spüren Sie viel Druck?

Böhringer: Ich sehe das ganz gelassen. Mein persönliches Ziel ist der Gewinn des German Bowl. Aber ansonsten habe ich mir nichts Großes mehr vorgenommen. Ich will einfach dabei helfen, den Titel zu gewinnen.

SPORT1: Gibt es irgendwelche Erwartungen, mit denen Sie bei den Unicorns konfrontiert werden?

Böhringer: Nein, das gibt es nicht. Man kann es aber schwer einschätzen. Wenn mich jedes Team mit drei Leuten deckt, ist es klar, dass ich nicht so viel ausrichten kann. Aber dafür werden dann andere Mitspieler frei. Und dann gewinnen wir trotzdem. Dann macht der Receiver drei Touchdowns und das passt dann. Wir haben ja auch genug andere gute Spieler. Von daher muss nicht alles über mich laufen.

SPORT1: Dann trauen Sie ihrem Team aber auch wirklich viel zu?

Böhringer: Ja. Die Unicorns waren schon immer gut. Als ich weg war, haben sie ja auch zweimal den German Bowl gewonnen. Daher denke ich, dass es auch dieses Jahr möglich sein sollte.

Böhringer findet zum Yoga

SPORT1: Haben Sie ihr Level bezüglich Fitness und Schnelligkeit halten können?

Böhringer: Ja, ich habe mein Level halten können. Vor allem die Pause nach der letzten Saison hat mir enorm gutgetan. Während der NFL-Saison machen immer mal Kleinigkeiten Probleme. Wenn man dann ein paar Monate Pause hat, hilft das dem Körper schon, sich zu erholen.

SPORT1: Gibt es bestimmte Dinge, welche Sie mittlerweile anders machen als zu Beginn Ihrer Karriere?

Böhringer: Es ist eigentlich alles beim alten. Bis auf das Yoga - das mache ich jetzt zweimal die Woche. Bevor ich in die USA gegangen bin, habe ich mich nie gedehnt. Jetzt wärme ich mich besser auf und dehne mich häufiger.

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SPORT1: Ist das Thema USA für Sie schon abgeschlossen?

Böhringer: Das Thema Football ist auf jeden Fall abgeschlossen. Ich will nicht mehr dort spielen. Meine Freundin lebt aber in den USA in Cincinnati. Sie ist US-Amerikanerin und wir haben uns dort kennengelernt.

"Habe schon vor, wieder in die USA zu gehen"

SPORT1: Müssen die Unicorns also befürchten, dass sie in einem Jahr schon wieder weg sind?

Böhringer: Ich habe nicht vor, noch ewig zu spielen. Irgendwann reicht es mit Football dann auch. Es ist alles noch nicht 100 Prozent sicher, aber ich habe schon vor, irgendwann wieder in die USA zu gehen. Ich studiere gerade Maschinenbau und irgendwann soll der Lebensmittelpunkt schon wieder in den USA sein.

SPORT1: Was unterscheidet denn - abgesehen vom Niveau - den deutschen vom US-Football?

Böhringer: Es geht einfach mehr zur Sache in den USA. Der Hauptgrund dafür ist, das es jeden Tag um deinen Job geht. Du musst immer 100 Prozent geben. Es steckt viel mehr Geld drin, das ist der größte Unterschied.

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