Ex-Nationalspieler sehen DFB-Elf weiter skeptisch

Ex-Nationalspieler sehen DFB-Elf weiter skeptisch

Trotz des Last-Minute-Sieges gegen Schweden (2:1) blicken ehemalige Nationalspieler weiter skeptisch auf die Leistung von Titelverteidiger Deutschland bei der Fußball-WM in Russland. Bis auf Torwart Manuel Neuer seien alle Weltmeister im Kader von Bundestrainer Joachim Löw "von ihrer WM-Form ein ganzes Stück weit weg", kritisierte 1990er-Champion Guido Buchwald im Münchner Merkur (Montagausgabe): "Ob es ein Müller ist, Kroos, Mats Hummels – sie sind alle gut, aber sie rufen nicht die Leistung wie in Brasilien ab."
Gegen Schweden irritierten Buchwald "die einfachen Fehler, die sich die gestandenen Spieler auch in diesem Spiel wieder geleistet haben. Die Mannschaft lässt sich so ungewöhnlich schnell verunsichern", sagte er. 
Das späte Tor von Toni Kroos (90.+5) per Freistoß stimmte den 57-Jährigen jedoch zuversichtlich: "So ein Highlight, noch dazu bei dieser Dramatik, in Unterzahl und in letzter Sekunde – so etwas setzt Kräfte frei: Wir können es noch! Wir schaffen alles!" 
Der frühere Europameister Steffen Freund forderte vor dem entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Südkorea am Mittwoch (16.00 Uhr MESZ/ZDF und Sky Deutschland) indes eine deutliche Steigerung von der DFB-Elf. "Wir können als Weltmeister nicht mit der Leistung gegen Mexiko und der ersten Halbzeit gegen Schweden zufrieden sein", sagte er im Fußball-Talk Doppelpass bei Sport1: "Südkorea ist der schwächste Gegner der Gruppe, da muss jetzt der Knoten platzen und die können wir hoch schlagen."
Für Ex-Weltmeister Bodo Illgner, der 1990 zusammen mit Buchwald in Italien triumphiert hatte, war vor allem die Hereinnahme von Marco Reus ein wichtiger Schlüssel zum Sieg. "Reus schafft gerade das, was Özil nicht schafft. Er ist im Flow, hat eine sehr gute Form, ist unbekümmert und hat Spaß am Spiel. Özil wirkt dagegen gehemmt", sagte Illgner bei Sport1. Der Angreifer von Borussia Dortmund war gegen Schweden für Mesut Özil in die Startelf gerückt und hatte den Ausgleich zum 1:1 erzielt.
Nach Ansicht des früheren Bundestrainers Berti Vogts gibt es trotz des Erfolgs gegen Schweden weiterhin Redebedarf innerhalb des Teams. Als Grund dafür machte der 71-Jährige die Gelb-Rote Karte für Abwehrchef Jerome Boateng (82.) aus.
"Wenn ich Jerome Boateng wäre, würde ich dem einen oder anderen den Marsch blasen wegen der Gelb-Roten Karte, bei der er Glück hatte, dass es nicht Rot war. Boateng hat sich in dieser Szene in den Dienst der Mannschaft gestellt, sich fürs Team geopfert", schreibt Vogts in einem Gastbeitrag für die Rheinische Post (Montagausgabe): "Es darf nicht sein, dass er in so eine Situation kommt – da muss die Staffelung viel besser sein."