Ex-Investmentbank-Chef Colin Fan verklagt Deutsche Bank


Colin Fan war mal ein Star bei der Deutschen Bank. Unter seinem Mentor Anshu Jain stieg der gebürtige Chinese bis an die Spitze des Investmentbankings in London auf. Im November 2015 wurde er jedoch entlassen. Die Bank warf ihm vor, sich mit unlauteren Geschäften um neun Millionen Dollar bereichert zu haben.

Nun hat Fan seinen früheren Arbeitgeber verklagt. Wie Bloomberg am Freitag berichtete, fordert der Investmentbanker mindestens zehn Millionen Pfund von der Deutschen Bank, weil diese ihm für sein angebliches Fehlverhalten Aktienoptionen gestrichen hatte. Fan beharrt darauf, sich bei seinen Geschäften an alle Regeln gehalten zu haben.

Die Klage ist eine der Nachwehen aus der Ära, als die Investmentbanker unter Jain die Bank dominierten. Sie wurde bereits im Januar am Londoner High Court eingereicht, wurde aber erst jetzt publik. Bloomberg beruft sich auf Gerichtsdokumente, die online nicht abrufbar sind. Alle Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Die Deutsche Bank verweigerte jeglichen Kommentar, auch Fans Anwältin reagierte nicht auf eine Anfrage.


Die Vorgeschichte beginnt unmittelbar nach der Finanzkrise 2009: Fan war damals Chef des globalen Kredithandels in der Bank. Zusammen mit Kollegen soll er Kreditrisiken aus der Bilanz der Deutschen Bank an einen Hedgefonds in Monaco ausgelagert haben, um damit zu spekulieren. Dabei soll er auch eine Million Dollar seines privaten Vermögens eingesetzt haben. Im Gegenzug hätten Fan und Co. von ihrem Arbeitgeber hohe Gebühren kassiert, berichtete damals das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eine bankinterne Untersuchung. Fan soll mit seinem Einsatz von einer Million Dollar rund neun Millionen Dollar Gewinn gemacht haben.

Als John Cryan 2015 den Chefposten von Jain übernahm, wurde Fan entlassen. In den Jahren seit der Finanzkrise hatte die Bank ihre Regeln zum Eigenhandel der Mitarbeiter verschärft, und das neue Management wollte den Kulturwandel durchsetzen. Fan habe gegen den Verhaltenskodex der Bank verstoßen, argumentierten die internen Kontrolleure. Daher sei der Entzug seiner Aktienoptionen gerechtfertigt.

Auch die britische Finanzaufsicht FCA prüfte den Fall, stellte ihre Untersuchung vergangenes Jahr jedoch ein. Als Teil seiner Klage gegen die Deutsche Bank fordert Fan nun auch die Erstattung seiner Rechtskosten während der FCA-Untersuchung. Neben Fan haben vier weitere Mitarbeiter, die damals involviert waren, die Bank inzwischen verlassen.