Ex-Guerilla-Kämpferin Topolansky tritt Amt als Uruguays Vizepräsidentin an

Uruguays Vizepräsidentin Topolansky und ihr Mann Mujica

In Uruguay ist die ehemalige Guerilla-Kämpferin und First Lady Lucía Topolansky ins Amt der Vizepräsidentin aufgerückt. Die 72-jährige linksgerichtete Senatorin trat am Mittwoch die Nachfolge des unter Korruptionsverdacht zurückgetretenen Vizepräsidenten Raúl Sendic an. Die frühere politische Gefangene gehört wie Staatschef Tabaré Vázquez der linksgerichteten Regierungspartei Frente Amplio (Breite Front) an, die stärkste Kraft im Parlament ist.

Die aus einer wohlhabenden Familie stammende Topolansky hatte in ihrer Jugend ihr Architekturstudium aufgegeben, um sich Ende der 60er Jahre der Nationalen Befreiungsbewegung Tupamaros (MLN-T) anzuschließen, die den bewaffneten Kampf gegen den Kapitalismus propagierte. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann José Mujica kennen, der von 2010 bis 2015 als Staatschef amtierte und jetzt die Senatsfraktion der Breiten Front anführt.

Der 55-jährige bisherige Vizepräsident Sendic stand wegen mehrerer Affären im Kreuzfeuer der Kritik. Unter anderem hatte er als Chef der staatlichen Ölgesellschaft Ancap Geldkarten des Unternehmens zum Kauf von Luxusgütern benutzt. Das Parlament nahm am Dienstag Sendics Rücktritt an und nominierte die Senatorin Topolansky für den Posten.

Während der Militärdiktatur in Uruguay zwischen 1973 und 1985 saß Topolansky im Gefängnis. Nach ihrer Freilassung und nachdem die Tuparamaros sich zu einer legalen Partei umbildeten, wurde sie Ende 2004 auf der Liste der Breiten Front ins Parlament gewählt.