Ex-Deutsche-Bank-Händler Bittar muss wegen Euribor-Manipulation mehr als zwei Jahre ins Gefängnis

Fünf Jahre und vier Monate Haft – dazu ist der ehemalige Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar in einem Prozess um manipulierte Zinssätze verurteilt worden. Die Hälfte davon ist zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem wird die Untersuchungshaft, in der sich Bittar seit März befindet, angerechnet. Insgesamt muss er also noch etwas länger als zwei Jahre hinter Gitter.

Zudem muss Bittar die Gerichtskosten von 800.000 Pfund tragen und zweieinhalb Millionen Pfund seines Vermögens werden beschlagnahmt – das entspricht nach aktuellem Kurs rund 2,8 Millionen Euro. Der Franzose Bittar hatte sich bereits Anfang März schuldig bekannt, den europäischen Referenzzinssatz Euribor frisiert zu haben. Sein Geständnis wirkte sich strafmildernd aus.

Bittar arbeitete bei der Deutschen Bank in London und Singapur. 2011 trennte sich das Geldhaus von ihm. Bittar ist der einzige der sechs angeklagten Ex-Bankern der Deutschen Bank, der sich bislang schuldig bekannt hat. Ende Juni wies zum Beispiel Mitangeklagter Achim Krämer alle Vorwürfe zurück.

Der Prozess um die im großen Stil manipulierten Zinssätze läuft seit Anfang April vor einem Londoner Gericht. Mit Tricksereien an den Zinssätzen erschlichen sich Banken Millionen an Extragewinnen – den Händlern winkten erhebliche Boni-Zahlungen.


Bittar hatte vor Jahren für Schlagzeilen gesorgt, da er für das Jahr 2008 sagenhafte 80 Millionen Euro Bonusanspruch angehäuft hatte. Sein Arbeitsvertrag garantierte ihm einen festen Prozentsatz der von ihm erzielten Spekulationsgewinne. Die Hälfte des Rekordbonus behielt die Bank aber wegen der Ermittlungen in Sachen Zinsmanipulation ein.

Die Referenzzinssätze geben an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Sie sind Maßstab für Geschäfte in Billionenhöhe – vom Baukredit bis zu Derivate-Geschäften. Auch der für Geschäfte in Dollar wichtige Zinssatz Libor wurde manipuliert. Die Deutsche Bank einigte sich dafür 2015 mit Behörden in den USA und Großbritannien auf eine Rekordbuße von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Die Absprachen der Banker sollen über mehrere Jahre erfolgt sein. Vor Gericht verantworten mussten sich auch Ex-Händler der britischen Großbank Barclays. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige britische Behörde Serious Fraud Office (SFO) erhob 2015 Anklage.