Ex-Bundestrainer Zach über Draisaitl: "Das ist in die Hose gegangen"

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Ex-Bundestrainer Zach über Draisaitl: "Das ist in die Hose gegangen"
Ex-Bundestrainer Zach über Draisaitl: "Das ist in die Hose gegangen"

Die deutsche Nationalmannschaft kämpft bei der Eishockey-WM weiter um den Einzug ins Viertelfinale.

Nach zwei Niederlagen gegen Kasachstan und Finnland gerät das DEB-Team allerdings zunehmend unter Druck. Im vorletzten Gruppenspiel kann Deutschland gegen die US-Amerikaner (Eishockey-WM 2021, Gruppe B: Deutschland - USA, ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1 im Free-TV und Livestream) aber einen großen Schritt Richtung K.o.-Runde machen. (Alles zur Eishockey-WM)

Vorab hat SPORT1 mit Ex-Bundestrainer Hans Zach über die Leistungen der Nationalmannschaft, die Entwicklung im deutschen Eishockey, Leon Draisaitl sowie seine WM-Favoriten gesprochen.

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SPORT1: Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bisher?

Hans Zach: Sehr positiv. Die Deutschen haben, wie auch andere Teams, gute Chancen ins Viertelfinale zu kommen. Sie werden alles geben und wenn es dann doch nicht reicht, haben sie trotzdem eine gute WM gespielt. Ich bin bei einem Sieg nicht zu euphorisiert und bei einer Niederlage nicht zu niedergeschlagen. Ich bewerte, was ich sehe - sehr gute Einstellung, sehr guter Kampfgeist, tolle Fitness. Aber Eishockey hängt an Kleinigkeiten. Es ist momentan sehr ausgeglichen zwischen den ganzen Nationen, wenn man die Ergebnisse der Schweden oder der Kanadier, die nicht so positiv sind. Ich glaube auch nicht, dass die Schweden oder Kanadier das Viertelfinale noch schaffen.

Das sagt Zach über harte Checks

SPORT1: Gibt es einen Spieler im deutschen Team, den sie besonders gerne zusehen?

Zach: Ich war auch als Trainer immer darauf aus, dass das Team gut funktioniert und Leute mit Kampfgeist vorausgehen. Das sind im deutschen Team einige dabei – die Landshuter Sturmreihe mit Kühnhackl, Rieder und Krämer ist körperlich sehr stark. Sie flößen dem Gegner auch Furcht ein und haben selbst keinerlei Angst vorm Gegner. Die sind sehr wichtig für das deutsche Team. Auch Maxi Kastner macht das mit seiner Reihe sehr gut. Er ist das erste Mal bei einer WM dabei. Verdient hat er es sich schon lange, weil er auch in München vielleicht etwas unter Wert gehandelt wird. Die Berliner Reihe ist dafür technisch sehr versiert und kann Tore machen. Auch junge Leute sind dabei. Das passt gut zusammen.

SPORT1: Im Turnier mussten einige deutsche Spieler harte Checks in Richtung Kopf einstecken. Bundestrainer Toni Söderholm monierte, dass die nachträglichen Sperren nicht helfen. Auch SPORT1-Experte Rick Goldmann kritisierte beim Check gegen Julian Reichel die Schiedsrichter. Hat die Härte im Eishockey zugenommen und sind die Schiedsrichter aufgefordert, das strenger zu ahnden?

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Zach: Es ist schwierig für die Schiedsrichter, das immer genau zu sehen. Das Tempo ist höher geworden, die Ausrüstung - vor allem die Schläger beschleunigen den Puck viel besser als früher. Alle laufen mittlerweile hervorragend Schlittschuh und auch die Athletik hat zugenommen. So ist eine ganz andere Geschwindigkeit im Spiel und daher ist ein Check an der Bande schon schmerzhaft. Früher war das anders. Da hat man gesagt: 'Wenn einer den Kopf im Boden hat, muss man ihn checken, dass er es lernt.' Heute geht das nicht mehr. Aber da sind auch einige unglückliche Sachen dabei, wie zum Beispiel die Szene mit Reichel. Er hat ihn nicht gesehen. Aber das ist schon anderen Größen passiert.

Zach über Draisaitl: "Hut ab"

SPORT1: Unabhängig davon, was bei der WM am Ende rauskommt: Wie sehen sie die Entwicklung des deutschen Eishockeys?

Zach: Die Entwicklung des deutschen Eishockeys ist gut, was neue Spieler angeht, die auch im DEB-Team spielen können. Aber von unten rauf kommt mir noch zu wenig - gerade an jungen Spielern. Dass man in der 2. Liga mehr Junge einsetzt - ich sehe noch nicht, dass man das aus Überzeugung macht. Ein guter Mix ist immer gut. Aber das fehlt mir noch etwas, dass man mehr junge Spieler reinbringt. Es ist natürlich schwierig durch die Nachwuchsarbeit in Mannheim und Salzburg, da gehen viele schnell hin. Die machen das hervorragend. Es kommen auch viele dort heraus, die es in die NHL schaffen. Aber früher hat man auch aus den Hochburgen wie Riessersee, Füssen oder Bad Tölz viele junge Spieler ausgebracht. Nur man muss viel Geld in die Hand nehmen, um gute Trainer für den Nachwuchs zu haben.

SPORT1: Uns fehlen ja jetzt sogar noch einige NHL-Spieler, angeführt von Leon Draisaitl - haben wir aktuell so viele Weltklasse-Spieler wie noch nie?

Zach: Draisaitl hat unglaubliche Werte bei den Scorerpunkten - Hut ab vor seinen Leistungen. Aber auch Wayne Gretzky hat gesagt: 'Ich bin erst ein Superstar, wenn ich den Stanley Cup gewinne.' Draisaitl hat selbst gesagt, dass er den Stanley Cup holen will. Das ist sein großes Ziel, was in den vergangenen beiden Jahren in die Hose gegangen ist. Dieses Jahr war es allerdings schon besser. Er hat beim Plus-Minus-Wert nicht mehr das ganz große Minus. Das ist eigentlich unglaublich, wenn man letztes Jahr seine Werte gesehen hat und dann hat er ein Minus stehen. Aber es gehört eben alles dazu beim Eishockey.

Zach begrüßt Kahun-Anreise

SPORT1: Für sie bemerkenswert, dass Dominik Kahun nach der NHL-Saison die Strapazen und Quarantäne der Reise nach Lettland auf sich nimmt - womöglich nur für ein oder zwei Einsätze?

Zach: Wir haben auch andere Spiele von Übersee, die sich dazu entschieden haben, hierher zu kommen. Natürlich konnten die früher weg als Dominik Kahun. Aber bei Kahun weiß man, dass er gerne in München ist und für Deutschland spielt. Er hat damals auch die Olympia-Silbermedaille mit dem Team geholt. Mich freut es, dass er nochmal eine gute Chance hat, sich zu zeigen.

SPORT1: Haben sie dennoch einen WM-Favoriten und trauen sie der deutschen Mannschaft eine Medaille oder sogar Gold zu?

Zach: Das wäre für mich eine riesige Überraschung. Das ist es immer, wenn ein deutsches Team eine Medaille holt. Vor ein paar Tagen dachte ich noch, dass die Schweiz ein Favorit auf Gold wäre, aber dann haben sie gegen Schweden mit 0:7 verloren. Bisher sind die Russen und die Schweizer drauf und dran, sich in die Favoritenrolle zu spielen. Ich tippe mal auf die Russen.

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