"Ein Problem, wenn Streich Kroos gegenübersteht"

Niklas Niendorf
·Lesedauer: 4 Min.
"Ein Problem, wenn Streich Kroos gegenübersteht"
"Ein Problem, wenn Streich Kroos gegenübersteht"

Manfred "Manni" Bender hat in seiner Karriere so einiges erlebt! Beim FC Bayern spielte der heute 54-Jährige mit Hansi Flick zusammen, als Spieler des KSC trat er in legendären Spielen gegen Lothar Matthäus und den FCB an.

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Flick ein braver Arbeiter, Brazzo "sehr heißblütig"

Von seinem ehemaligen Teamkameraden Hansi Flick kann Bender nur schwärmen: "Er war schon immer ein Spieler, der den Mannschaftsgedanken verinnerlicht hatte. Er hat sich nie in den Mittelpunkt gestellt. Er war ein braver Arbeiter, der sich immer für die Mannschaft eingesetzt hat." Hasan Salihamidzic sei dagegen "sehr heißblütig", erzählt Bender im Gespräch mit SPORT1.

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Ein Engagement von Flick als Bundestrainer kann Bender sich gut vorstellen: "Aus meiner Sicht wäre das eine gute Idee. Nach außen scheinen Salihamidzic und Flick beim FC Bayern zwar Frieden geschlossen zu haben, beide sind aber absolute Alphatiere. Ich glaube, das Verhältnis zwischen den beiden wird beim FC Bayern in den nächsten Tagen und Wochen ein schwieriges Thema bleiben."

Bender möchte "gar nicht daran denken, was passiert, sollte der FC Bayern im Viertelfinale der Champions League ausscheiden oder sich in der Liga doch noch von Leipzig einholen lassen." Dann werden, so befürchtet er, genau diese Themen wieder auf den Tisch kommen.

Matthäus als Bundestrainer? Bender: "Schwierig"

Lothar Matthäus als Löw-Nachfolger kann sich Bender nur schwer vorstellen: "Rein fachlich möchte ich ihm nichts absprechen. Er versteht etwas von Fußball, das ist ganz klar. Aber eine Mannschaft zu trainieren und ihr ein Konzept mitzugeben, das halte ich bei ihm eher für schwierig."

Als Grund nennt Bender unter anderem das Ansehen von Matthäus in der Mannschaft: "Es würde nur funktionieren, wenn er zwei, drei starke Personen an seiner Seite hat, die ihm die Trainingsplanung abnehmen. Sein Standing in der Mannschaft würde aber darunter leiden. Die wissen dann ja auch, der steht zwar vorne, aber das Training machen andere."

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Für Bender wäre Christian Streich der Idealnachfolger. "Er ist eloquent, authentisch und kann sich ausdrücken." Es könnte laut Bender allerdings eine Herausforderung werden, dass Streich mit wirklichen Weltstars noch nichts zu tun hatte.

"Das könnte dann schon zum Problem werden, wenn er auf einmal einem Toni Kroos gegenübersteht", gibt er zu Bedenken. Bender wünscht sich für Streich allerdings einen Vertrauensvorschuss: "Das sollte man vielleicht einfach mal ausprobieren. Jeder kann sich noch entwickeln."

Bender: "Müller muss zurückgeholt werden"

Bezüglich der möglichen Nominierung der Routiniers Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels zur EM vertritt Bender einen klaren Standpunkt: "Der Einzige, bei dem ich sage, der muss unbedingt zurückgeholt werden, ist Thomas Müller. Der spielt eine absolute Top-Saison."

Wenn die deutsche Mannschaft bei der EM eine Reaktion zeige, sei laut Bender "vom Titel bis zum Ausscheiden im Viertelfinale" alles möglich.

Neben der EM 2021 macht sich Bender auch Gedanken über die WM 2022 in Katar. Der Tod von über 6.500 Gastarbeitern seit der WM-Vergabe 2010 hat auch den ehemaligen Bayern-Spieler nicht kalt gelassen: "Dass die WM boykottiert gehört, das liegt eigentlich auf der Hand. Das wird aber leider nicht passieren. Die WM ist ein Politikum. FIFA und Lobbyisten sind einfach viel zu stark. Es wird nicht soweit kommen, dass die WM boykottiert wird."

Bender kritisiert WM-Vergabe scharf

Das Turnier "hätte meiner Meinung nach auch nie nach Katar gehört. Mit dieser Meinung stehe ich sicherlich nicht alleine da", urteilt Bender. "Es ist einfach unfassbar, wie das abgelaufen ist. Dass die FIFA es am Ende immer wieder schafft, ihre Pläne durchzuziehen, das ist schon der Wahnsinn."

Seine Trainerkarriere hat der mittlerweile 54 Jahre alte Bender beendet. In früheren Zeiten war er unter anderem bei Kickers Offenbach, Klagenfurt und Türkspor Augsburg als Trainer aktiv.

Der heutigen Spielergeneration kann Bender allerdings nicht mehr viel abgewinnen: "Diese Einstellung von der heutigen Jugend ist schon extrem schwer zu verkraften. Früher war man Fußballspieler, weil man Ideale hatte. Man wollte jedes Spiel gewinnen."

Das gelte das bei den heutigen Fußballspielern immer weniger. "Heute spielen alle nur noch Fußball, um Geld zu verdienen. Die gehen teilweise zwei Ligen runter, nur um 100 Euro mehr zu bekommen. Dabei ist denen völlig egal, ob sie gewinnen oder verlieren, Hauptsache das Geld stimmt. Das ist nicht mehr mein Ding."