Ex-Bahnchef bekam wohl 3 Millionen Euro für 4 Wochen Arbeit

Der frühere Chef der Deutschen Bahn Rüdiger Grube hat für seine Mini-Amtszeit 2017 deutlich mehr Geld bekommen als bislang bekannt. Die Leistungen für Grube summieren sich offenbar auf mehr als drei Millionen Euro.

Rüdiger Grube inszeniert sich gern als der Junge vom Bauernhof, der trotz seiner beachtlichen Karriere nie seine bescheidenen Wurzeln vergessen hat. Es ist eine schöne Geschichte, allerdings auch eine, die schon vor Jahren Kratzer bekam. Zu seiner Zeit als Bahn-Chef trat Grube in den Vertragsverhandlungen durchaus robust auf, wie Beteiligte immer wieder mit Erstaunen erzählten.

Nun dürfte der Bescheidenheitslack endgültig ab sein. Denn der Manager hat für seine unterm Strich doch recht kurze Amtszeit im vergangenen Jahr sehr üppige Leistungen bekommen. Sie dürften sogar den ein oder anderen Top-Verdiener unter den Fußballern neidisch werden lassen.

Ende Januar 2017 schmiss Grube im Streit um seine Vertragsverlängerung hin. Er war also nur rund vier Wochen offiziell im Amt. Und für diese Zeit hat er deutlich mehr Geld bekommen als bislang bekannt. Das berichten Konzerninsider. Zusätzlich zu seinem Grundgehalt von 450.000 Euro und einer Abfindung von knapp 1,8 Millionen Euro soll der 66-Jährige auch Versorgungsansprüche in Höhe von 870.000 Euro zugesprochen bekommen haben.


Der Hintergrund ist, dass Grube noch bis Ende Juli 2017 bei dem Staatskonzern beschäftigt war – also ein halbes Jahr nach seinem offiziellen Rückzug. In der Zwischenzeit drohten sich Grube und der Aufsichtsrat offenbar gegenseitig mit Klagen. Es müssen unschöne Monate gewesen sein. Um das leidige Thema endlich vom Tisch zu haben, stimmten der aktuelle und künftige Aufsichtsratschef, Utz Hellmuth Felcht und Michael Odenwald, dem äußerst teuren Kompromiss mit Grube schließlich zu. Als ein Teil der Millionenzahlung vor Kurzem bekannt wurde, war die Aufregung erwartungsgemäß groß: Unter anderem forderte der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), in den Verträgen bei der Deutschen Bahn müssten „Maß und Mitte“ Einzug halten. Auch die SPD prangerte die Zahlungen an.

Man darf diese Kritik allerdings als durchaus wohlfeil beurteilen. Die Deutsche Bahn ist zu 100 Prozent in Bundesbesitz, sie ist der wohl politischste Konzern des Landes. Ohne den Willen der Bundesregierung passiert dort nichts. Als der künftige Aufsichtsratschef Odenwald den Grube-Deal aushandelte, war er Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

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