Ex-Aufsichtsrat verklagt Bastei Lübbe

Der ehemalige Aufseher Michael Nelles fordert knapp 400.000 Euro vom Kölner Verlag. Der prüft seinerseits Schadenersatz-Ansprüche gegen frühere Organmitglieder.


Der Inhaber der Essener Kapitalmarktberatung Conpair, Michael Nelles, hat seinen ehemaligen Kunden Bastei Lübbe verklagt. Nelles fordere die Zahlung von 370.000 Euro vom Kölner Verlag. Das sagte Bastei-Lübbe-Aufsichtsrat Robert Stein auf der gestrigen Hauptversammlung im Kölner Carlswerk. Nelles hatte Bastei Lübbe beim Verkauf des Wohnzubehör-Anbieters Räder im vergangenen Jahr beraten und dafür das Honorar in Rechnung gestellt, so Stein.




Doch die Geschäfte von Bastei mit Conpair sind höchst umstritten. Über die Jahre hat Nelles‘ Firma immer wieder an Transaktionen von Bastei verdient; unter anderem bei der Emission einer Unternehmensanleihe 2011 und dem Börsengang zwei Jahre später. Nelles aber saß gleichzeitig im Aufsichtsrat der Bastei Lübbe AG, beziehungsweise im Verwaltungsrat der Vorläufergesellschaft Bastei Lübbe GmbH. Er sollte dort also unabhängig ein Unternehmen überwachen, das seiner eigenen Firma laufend lukrative Aufträge verschaffte. Das ist eigentlich ein klarer Interessenkonflikt. Trotzdem stellte der Unternehmer Nelles Bastei Lübbe nach Angaben von Stein allein zwischen März 2015 und März 2017 Rechnungen über 1,3 Millionen Euro für verschiedene Transaktionen aus. Den Teil, der davon noch aussteht, will sich der Kapitalmarktberater nun vor Gericht erstreiten.

Der geschäftstüchtige Ex-Kontrolleur wiederum muss damit rechnen, dass Bastei ihn für seine Verfehlungen im Aufsichtsrat noch in Regress nehmen wird. Denn einige der von Nelles eingefädelten Transaktionen haben Bastei Lübbe finanziell erheblich geschadet. Der Verdacht liegt nahe, dass Nelles bei den Deals nicht in erster Linie den Vorteil von Bastei, sondern seine eigene Provision im Auge hatte. Aktuell prüfe der Verlag Schadenersatzsprüche gegen ihn, sagte Stein. Welche Vorwürfe genau im Raum stehen, wollte der neue Aufsichtsrat nicht sagen.




Auch der ehemalige Bastei-Vorstand muss sich Sorgen machen. Ex-Chef Thomas Schierack hatte die Börsenstory sowie die fehlgeschlagene Digitalisierungsstrategie wesentlich vorangetrieben und musste vor zwei Monaten gehen. Unter seiner Ägide hatte der Verlag Beteiligungsverkäufe an eine britische Briefkastenfirma abgeschlossen. Die schönten kurzzeitig den Gewinn, mussten später aber rückabgewickelt werden. Das kostete den Verlag viel Geld und noch mehr Reputation. Stein nannte das Verkaufskonstrukt mit der Firma in London auf der Hauptversammlung „höchst ungewöhnlich“. Die Zu- und Verkäufe unter Schieracks Leitung würden daher aktuell geprüft und von Rechtsanwälten gewürdigt. Schierack, betonte Stein, habe nach seinem Abgang weder eine Abfindung noch einen Bonus erhalten.

Sein langjähriger Co-Vorstand Klaus Kluge darf unterdessen im Amt bleiben. Der Aufsichtsrat beurteile seine Verantwortlichkeit anders als die von Schierack, sagte Stein. Kluge war und ist im Vorstand für das Programm und Marketing zuständig, während Schierack unter anderem die Ressorts Finanzen und die Digitalaktivitäten leitete. „Das Kerngeschäft führt Herr Kluge erfolgreich“, so Stein. Seinen Vertrag hat der Aufsichtsrat daher um drei Jahre verlängert, allerdings zu deutlich reduzierten Konditionen.



Auch beim neuen Chef spart man Geld


Auch beim neuen Chef spart der Verlag Geld. Das Fixum des Ex-Weltbild-Manns Carel Halffs liegt um ein Fünftel tiefer als das von Schierack. Beide Manager unterscheiden sich nicht nur beim Gehalt. Während Schierack fast anderthalb Jahre versuchte, die Bilanztricksereien und enttäuschenden Zahlen schönzureden, sprach Halff bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf der Hauptversammlung Klartext. „Die Ertragskraft ist zu gering, die Verschuldung zu hoch.“ Alle Unternehmensbeteiligungen werde der neue Vorstand, zu dem neben Halff und Kluge auch der im Juni dazu gestoßene Finanzexperte Ulrich Zimmermann zählt, daher „auf strategische Bedeutung und Ertragspotenziale hin überprüfen.“ Halff nannte dabei den Buchvertrieb Buchpartner und den Spieleentwickler Daedalic.




Trotz der Schwierigkeiten sei es für ihn „eine große Ehre und Freude“, den Verlag zu leiten. Halff hatte seinen Dienst in Köln zum 1. November angetreten. Bastei Lübbe bleibe ein populärer Unterhaltungsverlag mit einer überdurchschnittlichen Marktposition für Audio-Bücher und Ebooks. „Daraus kann man etwas machen.“ Um eine vollständige Strategie vorzustellen sei es aber zu früh, so der Manager.

Nach den geplatzten Digital-Träumen der Ära Schierack scheint also Realismus einzukehren in Köln. Dazu gehört, dass der Finanzvorstand Ulrich Zimmermann Aktionären in Sachen Dividende nichts vormachte. Weil das Unternehmen zu hohe Schulden und eine zu niedrige Eigenkapitalquote habe, sei an eine Ausschüttung derzeit nicht zu denken, so Zimmermann. Die Nettoschulden des Unternehmens sind binnen zwei Jahren von 34 auf 59 Millionen Euro gestiegen, die Eigenkapitalquote fiel im selben Zeitraum von 50 auf 32 Prozent. Bei den Anteilseignern scheint die neue Nüchternheit anzukommen. Sie bescherten dem Vorstand, anders als noch im Vorjahr, für die meisten Tagesordnungspunkte respektable Mehrheiten.