Der ewige Kampf gegen das Cyberverbrechen

Die Bundesbank warnt auf einer Handelsblatt-Tagung vor einem Wettrüsten zwischen Cyberkriminellen und Unternehmen. Ein einziger erfolgreicher Angriff auf eine größere Bank kann zur Gefahr für das Finanzsystem werden.


„Keine Institution ist unverwundbar“, diese Erkenntnis verdankt Bundesbank-Vorstand Joachim Würmeling leidvoller Erfahrung. Denn auch die deutsche Zentralbank wird regelmäßig von feindlichen Hackern attackiert. Allein im vergangenen Jahr hat die Bundesbank 10000 Emails mit Schadsoftware abgefangen und mindestens einen Großangriff abgewehrt, bei dem die Notenbank mit elektronischen Anfragen überhäuft wurde, um ihre Systeme zu lähmen.

Eine erfolgreiche Attacke auf die Bundesbank könnte fatale Folgen für das gesamte Finanzsystem haben, schließlich wird von Ihr das Euro-Zahlungssystem Target mitbetrieben, über das Tag für Tag Zahlungen im Wert von 1,7 Billionen Euro abgewickelt werden. Aber auch ein einziger erfolgreicher Angriff auf eine private Großbank könnte bereits zum systemischer Risiko eskalieren, warnte Würmeling auf der Handelsblatt-Tagung Bankentechnologie.

Deshalb forderte er die Banken auf, ihre Cyber-Risiken noch systematischer anzugehen. Der Bundesbanker forderte einheitliche Mindest-Sicherheitsniveaus in der Branche und eine standardisierte kontinuierliche Suche nach Schwachstellen in den Abwehrsystemen der Banken. Außerdem müssten sich die Institute besser untereinander abstimmen und Informationen über Cyberattacken offener austauschen, um das Gesamtsystem robuster zu machen.


Weltweit würden durch Cyberangriffe jährlich Schäden von 400 Milliarden Euro entstehen, rechnete der Bundesbanker vor. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen seien bereits durch böswillige Hacker attackiert worden. Zwar würden die Firmen im Kampf gegen die Cyberkriminellen aufrüsten, in dem sie zum Beispiel mit Hilfe von künstlicher Intelligenz nach verdächtigen Mustern suchen. „Aber auch die Angreifer werden ähnliche Instrumente einsetzen“, warnte Würmeling. Am Ende drohe ein technologisches Wettrüsten, „ein Kampf von Roboter gegen Roboter“.

Ein Nachlassen der Bedrohungslage hält der Bundesbank-Vorstand für unwahrscheinlich, dazu sei das Risiko-Chance-Verhältnis für die Cyber-Bankräuber zu verlockend. Die potenzielle Belohnung für die Hacker sei enorm, wenn es tatsächlich gelinge Zahlungen abzuzweigen. Dagegen sei die Gefahr erwischt zu werden, sehr gering. Zu leicht könnten sich die Kriminellen in der Anonymität der globalen Datennetze verstecken, ohne ernsthaft eine Entdeckung fürchten zu müssen.