Von evangelischer Kirche initiiertes Bündnis plant Rettungsschiff im Mittelmeer

Aufnahmen der italienischen Küstenwache zeigt Migranten in Seenot

Ein Bündnis unter Führung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) will im kommenden Jahr ein weiteres Rettungsschiff für Flüchtlinge ins Mittelmeer entsenden. Die EKD, die Diakonie und weitere Kooperationspartner gründeten das Bündnis am Dienstag in Hamburg. Wie die EKD dazu mitteilte, will das Bündnis namens United4Rescue als erstes eigenes Projekt ein Schiff ausrüsten und in den Einsatz schicken.

"Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Kirche und Diakonie setzten sich auf vielfältige Weise überall dort ein, wo Menschen in Not seien. Diesem "Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit" entspringe auch die Idee zu dem Bündnis.

Der Impuls zum Engagement der evangelischen Kirche mit einem eigenen Rettungsschiff war von einer im Juni vom 37. Evangelischen Kirchentag in Dortmund verabschiedeten Resolution ausgegangen. Laut EKD beschlossen deren Rat und Synode dann im November nach eingehenden Beratungen, diese Aufgabe anzugehen und dazu einen Trägerverein zu gründen, an dem sich auch andere Institutionen beteiligen.

Zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses gehören nach Angaben vom Dienstag unter anderem die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, der deutsche CVJM als Verband christlichen Jugendarbeit, die Deutsche Seemannsmission, die Berliner Stadtmission, mehrere Unternehmen, die Akademie für Alte Musik Berlin sowie die italienische Stadt Palermo. Es sollen weitere Partner und Unterstützer gewonnen werden. Ziel ist der Aufbau eines "breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses".

Der Zusammenschluss versteht sich dabei auch als Stimme in der politischen Auseinandersetzung. Anlässlich seiner Gründung rief das Bündnis die Verantwortlichen zugleich dazu auf, das Recht auf Seenotrettung als Teil des Völkerrechts an den europäischen Grenzen "wieder umzusetzen" sowie faire Asylverfahren für Flüchtlinge zu garantieren und Seenotretter im Mittelmeer nicht zu "kriminalisieren".

Unterstützung kam am Gründungstag unter anderem auch von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin und Bildungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Die in der Seenotrettung im Mittelmeer tätigen Organisationen leisteten "Großes", erklärte sie. Sie wünsche sich mehr dafür Unterstützung.

Das Mittelmeer dient seit Jahren als Fluchtroute für Migranten, die aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa gelangen wollen. Unzählige starben bereits bei der Überfahrt. Verschiedene private Hilfsorganisationen sind dort mit Rettungsschiffen im Einsatz. Zwischen den EU-Staaten sorgt der Umgang mit den Flüchtlingen seit langem für Konflikte. Italien sperrte zeitweise seine Häfen für Schiffe, die gerettete Menschen an Land bringen wollten.