Eurozone steuert auf bestes Quartal seit einem Jahrzehnt zu

Anfang des Jahres war die Sorge angesichts von Brexit und zahlreichen bevorstehenden Parlamentswahlen unter Ökonomen noch groß. Nun zeigt sich, dass die Wirtschaft boomt und gestärkt ins neue Jahr geht.


Die Wirtschaft in der Eurozone steuert auf ihr bestes Quartal seit einem Jahrzehnt zu. Das geht aus dem Einkaufsmanager-Index hervor, der vom Finanzinformationsdienst IHS Markit erstellt wird und der ein viel beachtetes Wirtschaftsbarometer darstellt.

Der Chefökonom von IHS Markit, Chris Williamson, sagte am Donnerstag, der Index zeige einen Boom in den 19 Euroländern an. Der PMI sei von 56 im Oktober auf 57,5 im November gestiegen. Das sei der höchste Stand seit April 2011. Es sei sogar noch ein Wachstum von 0,8 Prozent im vierten Quartal möglich, was „das beste Jahr seit einem Jahrzehnt“ abschließen würde.

Die Geschäfte boomten und Arbeitsplätze würden so schnell wie seit der Dot.com-Ära zur Jahrtausendwende nicht mehr geschaffen, sagte Williamson.

Die EU hatte ihre Wachstumsprognose für die Eurozone in diesem Jahr im November bereits auf 2,2 Prozent angehoben. Dies entspräche dem höchsten Wert seit 2007. Der Umfang des Aufschwungs, der für zahlreiche Länder und Wirtschaftsbereiche gilt, hat viele Ökonomen überrascht. Zu Beginn des Jahres befürchteten Experten angesichts von Brexit, anhaltenden Bedenken wegen des Euros und mehreren wichtigen Parlamentswahlen noch schwierige Zeiten für die Eurozone.

Zwar besteht nach wie vor Unsicherheit wegen des Brexits, doch die Griechenland-Krise scheint eingedämmt, und der vielfach befürchtete Durchbruch von Rechtspopulisten bei den Wahlen blieb aus, insbesondere in Frankreich. Die breite Grundlage des Aufschwungs und die Geschwindigkeit, mit der sich die steigende Nachfrage auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlage, deute darauf hin, dass die Eurozone festen Fußes ins neue Jahr gehe, sagte Chefökonom Williamson.

Das höhere Tempo bei Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen treibt nach Einschätzung von IHS Markit mittelfristig auch die Inflation an. Bereits jetzt seien die Preise für Waren und Dienstleistungen stärker als zu irgendeinem Zeitpunkt seit Juni 2011 gestiegen. Im Jahr bis Oktober lag die Inflationsrate bei 1,4 Prozent.