Was sich Europas Stahlhersteller jetzt von der EU wünschen


Was Geert Van Poelevoorde sich von der EU wünscht, kann er in zwei Sätzen ausdrücken. „Erstens muss es schnell gehen. Und zweitens muss es wirken“, erklärte der Präsident des Europäischen Stahlverbands Eurofer am Montagabend in Brüssel vor Journalisten und Politikern.

Es ist der erste große Aufschlag der europäischen Stahlindustrie, seitdem die US-Regierung angekündigt hat, künftig 25 Prozent Zoll auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium zu erheben. Gerade erst hat die Branche ihren Weg aus einer schweren Preiskrise gefunden, ausgelöst durch billigen Stahl aus China. Nun droht die Rückkehr in den Krisenmodus – und der Verlust von Zehntausenden Jobs, so die Warnung von Eurofer.

Hinter dem düsteren Szenario steckt eine einfache Rechnung. Derzeit importieren die USA rund 35 Millionen Tonnen Stahl. Das meiste davon stammt aus Kanada (5,8 Millionen Tonnen), Brasilien (4,7 Millionen Tonnen) und Südkorea (3,4 Millionen Tonnen). Die größte Sorge der europäischen Stahlunternehmen: Ein großer Teil davon könnte künftig in Europa landen – auch wenn die USA offenbar die Nafta-Staaten Mexiko und Kanada von den Zöllen ausnehmen wollen.


„Europa wird durch die zunehmenden Importe leiden“, sagte Van Poelevoorde. So sei im vergangenen Jahr mit 40 Millionen Tonnen so viel Stahl in die EU importiert worden wie nie zuvor. Eurofer rechnet damit, dass mindestens 13 Millionen Tonnen, die ursprünglich für den US-Markt bestimmt waren, künftig in Europa angeboten werden. „Und das ist eine konservative Rechnung.“

Der Verband, dessen Mitgliedsunternehmen rund 320.000 Menschen beschäftigen, fordert deshalb von der EU, den europäischen Markt durch sogenannte „Safeguard“-Maßnahmen zu schützen. Mit ihnen kann die EU ihrerseits Stahlimporte aus anderen Weltregionen beschränken. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen innerhalb eines Monats eingeführt werden können, wenn es schnell geht“, so Van Poelevoorde.

Mit Bruno Le Maire, dem französischen Finanz- und Wirtschaftsminister, äußerte sich auch ein prominenter Politiker zu den angekündigten Zöllen: „Wir müssen jetzt sehr deutlich sein gegenüber unseren amerikanischen Freunden.“ Es brauche einer starken Antwort, alle Gegenmaßnahmen müssten auf den Tisch. „Wir werden stark sein. Haben Sie absolut keinen Zweifel daran“, erklärte er.

Ob Stärke allein allerdings hilft, ist fraglich. Denn den Ursprung des Konflikts zwischen der EU und den USA sieht Eurofer weniger im irrationalen Verhalten einiger Akteure. „Die Herausforderung, vor der wir stehen, hat ihren Grund in den Überkapazitäten, mit denen die Industrie immer noch kämpft“, sagte Eurofer-Präsident Van Poelevoorde. Hier teilten die USA und die EU ein gemeinsames Interesse, die globalen Kapazitäten abzubauen.


Bis zum 23. März will der Verband gemeinsam mit der EU-Kommission noch dafür kämpfen, dass europäische Hersteller von den Zöllen ausgenommen werden. An diesem Tag sollen die Handelsbarrieren final in Kraft treten.
Einen Handelskrieg, wie ihn manche Beobachter nach der Ankündigung von Vergeltungszöllen seitens der EU auf US-Produkte wie Erdnüsse, Orangensaft und Jeans befürchten, will in Brüssel aber offenbar niemand.

So erklärte Van Poelevoorde: „Es ist unsere wichtigste Hoffnung, dass die EU und die USA die Zeit bis zum 23. März nutzen, um eine Lösung zu finden – und jegliche Eskalation zu vermeiden.“
Ansonsten stünden Zehntausende Jobs auf dem Spiel – auf beiden Seiten.